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Würzburg: Zentrum der Immunkardiologie – „the place to be“

Gustavo Ramos hat seit 1. Dezember 2023 eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Heisenberg-Professur für Immunkardiologie

Porträt von Gustavo Ramos im Labor
Der Biologe Gustavo Ramos ist seit Dezember 2023 Professor für Immunkardiologie am Uniklinikum Würzburg. © Kirstin Linkamp / UKW
Aufnahme eines infarzierten Herzens mit markierten Immunzellen
Bild aus dem diesjährigen wissenschaftlichen Adventskalender (www.ukw.de/advent) – Kläppchen Nummer 2: Massive Infiltration von Immunzellen in das Herz nach einem Infarkt. In Grün ist die Morphologie des Herzens zu sehen, in Gelb leuchten die Antikörper (Anti-CD45), die an das CD45-Antigen der Leukozyten gebunden haben. Die Probe wurde von Murilo Delgobo aus der AG Ramos im DZHI hergestellt und von Lisa Popiolkowski und Anne Auer mit einem Lichtblatt-Fluoreszenz-Mikroskop in der Core Unit Fluorescence Imaging am RVZ aufgenommen. © Anne Auer / DZHI

Die Laufbahn von Gustavo Ramos ist geprägt von Idolen. So war der Biologe aus Brasilien bei der Wahl seines Dissertationsthemas zwischen zwei Professoren - einem kardiologischen Wissenschaftler und einem Immunologen - hin und hergerissen. Er bewunderte beide. Also vereinte er im Jahr 2007 die Themen und forschte zum damals noch unbekannten und namenlosen Fach „Immunkardiologie“. Als er 2012 an der Federal University of Santa Catarina in Florianópolis die Promotion abschloss, veröffentlichten zeitgleich auf der anderen Seite des Ozeans die Professoren Stefan Frantz und Ulrich Hofmann vom Uniklinikum Würzburg (UKW) ihre bahnbrechenden Erkenntnisse zur Rolle von T-Zellen bei der Wundheilung nach einem Herzinfarkt. Gustavo Ramos war klar, er musste nach Würzburg. Er bewarb sich bei Stefan Frantz und arbeitete als Postdoc in dessen Arbeitsgruppe. 2014 folgte er dem Kardiologen nach Halle/Sachsen-Anhalt, etablierte ein eigenes Forschungsteam und sog nebenbei das historische Flair der Umgebung auf. „Als Teenager habe ich in Brasilien die Biografie von Johann Sebastian Bach gelesen. Ich hätte mir nie erträumt, dort zu arbeiten, wo er einst gewirkt hat.“ Ebenso gut erinnert er sich an die Mischung aus Schock und Bewunderung, die er für Werner Karl Heisenberg empfand, als er dessen Unschärferelation studierte. „Und nun habe ich die unbeschreibliche Ehre aber auch große Verantwortung, eine Professur mit seinem Namen inne zu haben“, sagt Ramos, der seit 2018 eine Juniorforschungsgruppe am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) leitet. 

Respekt vor Heisenberg hemmte bei der Bewerbung

Er habe einige Anläufe gebraucht, um sich bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für das prestigeträchtige Heisenberg-Programm bewerben. Zu groß sei der Respekt vor dem Werk des Physikers gewesen, der mit 31 Jahren für seinen Beitrag zur Quantenmechanik den Nobelpreis erhielt. Schließlich hat er sich Heisenberg über dessen Biografie genähert. Und, ob Zufall oder Wink des Schicksals: Heisenberg wurde in Würzburg geboren. Gustavo Ramos bewarb sich und hatte Erfolg. Seit dem 1. Dezember finanziert ihm die DFG eine Heisenberg-Professur für Immunkardiologie, die, sofern die Evaluation nach fünf Jahren erfolgreich ist, von der Universität in eine permanente Professur überführt wird. 

SFB 1525 – Interaktionen zwischen Herz und Immunsystem

Würzburg ist für Ramos „the place in the world to be“. Inzwischen konzentrieren sich in der Würzburger Universitätsmedizin Expertinnen und Experten aus verschiedenen Disziplinen auf die „Interaktionen zwischen Herz und Immunsystem“. In dem gleichnamigen Sonderforschungsbereich 1525 bündeln insgesamt 14 Einrichtungen in 17 Teilprojekten und zwei Serviceprojekten ihre Expertise. Als wissenschaftlicher Sekretär war Gustavo Ramos gemeinsam mit Ulrich Hofmann maßgeblich beteiligt an dem fast 500 Seiten umfassenden SFB-Antrag bei der DFG. „Ich blättere fast jeden Tag in dem Buch und entdecke Neues“, gesteht Gustavo Ramos. Stefan Frantz, Sprecher des SFB 1525 erklärt: „Durch die Zusammenführung von Expertinnen und Experten aus den Fachbereichen Kardiologie, Immunologie, RNA-Biologie, Bioinformatik und Bildgebung ein einzigartiges Team entstanden. Die intensive und vielschichtige Informationsgewinnung im neuen Verbund verspricht Dynamik im aufstrebenden Forschungsfeld.“

Worauf antworten die Immunzellen? Die Suche nach kardialen Antigenen

Was hat sich in den vergangenen zehn Jahren, in denen er nun in Deutschland forscht, getan? „Sehr viel“, sagt Ramos, der inzwischen mit seiner Frau und Tochter eingebürgert wurde. „Der Forschungsbereich wächst weltweit, und wir haben Material und Werkzeug etabliert, mit dem wir exakt untersuchen, wie das Immunsystem nach einem Infarkt arbeitet.“ Anders als bei bakteriellen oder viralen Infektionen wie etwa Covid-19, wo schnell klar war, dass man einen Impfstoff gegen das Spike-Protein benötigt, waren die Immunantworten nach einem Herzinfarkt oder einer Herzinsuffizienz noch unklar. 

Tatsächlich hat Gustavo Ramos im Jahr 2019 die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen gefunden (Journal of Clinical Investigation). Unter 20.000 Proteinen, die sich im Herzen nachweisen lassen, hat er mit seinem Team den Teil des Proteins identifiziert, der für die Bildung der T-Zellen verantwortlich ist, welche als Helferzellen des Immunsystems eine frühe Heilung nach einem Herzinfarkt unterstützen. Es handelt sich um das Strukturprotein Myosin Heavy Chain Alpha (MYHCA). Gleichzeitig konnte Ramos mit seinem Team zeigen, wo sich die Zellen bilden: in den mediastinalen Lymphknoten, also in den Lymphknoten, die in der Mitte des Brustkorbs zwischen beiden Lungenflügeln liegen. Anschließend wandern diese Zellen ins Herz. Die Erkenntnisse aus den Untersuchungen am Mausmodell konnten in Zusammenarbeit mit der Nuklearmedizin des Uniklinikums Würzburg an Herzinfarktpatienten bestätigt werden. Sie fanden zudem folgende Korrelationen heraus: Je schwerer der Infarkt, desto mehr herzreaktive T-Zellen bildet der Körper. Und je größer die Lymphknoten, desto besser die Heilung. Aufbauend auf dieser bahnbrechenden Studie hat seine Arbeitsgruppe im Februar 2023 im Journal Circulation Research veröffentlicht, was genau die Myosin-spezifischen T-Zellen im infarzierten Herz machen. „Sie infiltrieren, nehmen einen regulatorischen Phänotyp an und schwächen die lokale Entzündung ab“, erklärt Ramos. 

T-Zellen: Die guten von den schlechten „Heilern“ unterscheiden

Entscheidend sei, die Entzündung nach dem Infarkt zunächst nicht zu blockieren, da erst durch diese entzündlichen Prozesse das Immunsystem und somit die T-Zellen aktiviert werden und damit der Heilungsprozess angeregt wird. Bei einigen Patienten ist die Wundheilung jedoch beeinträchtigt. Sie bilden nicht so viele und möglicherweise auch schlechte T-Zellen. Denn nicht alle Zellen haben eine positive Wirkung auf die Wundheilung. Daher liegt ein weiterer Forschungsschwerpunkt der Juniorgruppe Ramos auf der Identifizierung spezifischer T-Zell-Profile, um die guten von den schlechten „Heilern“ zu unterscheiden und zu prüfen, ob und wann sich gute T-Zellen in schlechte entwickeln und mehr schaden als helfen. 

Zwischenzeitlich hat die AG Ramos im Journal of Molecular and Cellular Cardiology ein weiteres kardiales Antigen beschrieben, welches bei einigen Patientinnen und Patienten nach einem Myokardinfarkt T-Zellen aktiviert. 

Biomarker für die Charakterisierung von Risikofaktoren

„Wir untersuchen aber nicht nur die Wundheilung, wir versuchen auch das Immunsystem zu charakterisieren, bevor sich eine Herzkrankheit manifestiert“, fügt Ramos hinzu. Dafür haben wir das Glück und können auf die Proben aus der Kohortenstudie STAAB zurückgreifen. In STAAB werden am DZHI 5000 Männer und Frauen im Alter von 30 bis 79 Jahren ohne bekannte Herzinsuffizienz über einen längeren Zeitraum mehrfach untersucht. Ziel ist es herauszufinden, wie häufig eine noch unentdeckte Herzschwäche in der Bevölkerung auftritt und welche Faktoren zur Entstehung einer Herzinsuffizienz beitragen. „Anhand der Basis-Charakterisierung des Immunsystems von supergesunden Menschen und Menschen mit Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Übergewicht haben wir immunologische Veränderungen gefunden, die in Verbindung mit den Risikofaktoren zu stehen scheinen. Für den Longitudinal-Aspekt müssen wir diese Studienteilnehmenden jedoch weiterverfolgen, um zu prüfen, ob diese immunologischen Veränderungen auch mit einem höheren Risiko für eine Herzinsuffizienz einhergehen“, bemerkt Ramos. Ein weiterer Aspekt liegt auf den Alterungsprozessen, wie verändert sich das Immunsystem im Alter und wie wirkt es sich auf das alternde Herz aus. Ihre im Cardiovascular Research veröffentlichen Erkenntnisse aus Studien an Mausmodellen will die AG Ramos nun an der STAAB-Kohorte untersuchen. 

„Ich bin 100 Prozent für kollaborative Wissenschaft!“

Ob im Team mit seinen zehn Mitarbeitenden, auf dem Campus, Europa oder der Welt, Gustavo Ramos liebt die Zusammenarbeit. „Ich bin 100 Prozent für kollaborative Wissenschaft. Die Zusammenarbeit ist der beste Teil meiner Arbeit.“ Vor wenigen Tagen hat er erst eine Bewerbung für eine der Marie-Sklodowska-Curie-Maßnahmen, kurz MSCA, eingereicht. Die hochkompetitiven MSCA sind Teil des europäischen Programms „Horizont Europe“. Ramos hat sich federführend mit einem internationalen Training-Netzwerk beworben, an dem zehn Länder beteiligt sind. Ferner steht im Juni 2024 ein europäischer Kongress für Cardio-Immunology im Kloster Banz an, den er mitkoordiniert. Es gibt noch viel zu tun. Und wer weiß, vielleicht wird Gustavo Ramos selbst eines Tages ein Idol, oder er ist es schon längst. 
 

Porträt von Gustavo Ramos im Labor
Der Biologe Gustavo Ramos ist seit Dezember 2023 Professor für Immunkardiologie am Uniklinikum Würzburg. © Kirstin Linkamp / UKW
Aufnahme eines infarzierten Herzens mit markierten Immunzellen
Bild aus dem diesjährigen wissenschaftlichen Adventskalender (www.ukw.de/advent) – Kläppchen Nummer 2: Massive Infiltration von Immunzellen in das Herz nach einem Infarkt. In Grün ist die Morphologie des Herzens zu sehen, in Gelb leuchten die Antikörper (Anti-CD45), die an das CD45-Antigen der Leukozyten gebunden haben. Die Probe wurde von Murilo Delgobo aus der AG Ramos im DZHI hergestellt und von Lisa Popiolkowski und Anne Auer mit einem Lichtblatt-Fluoreszenz-Mikroskop in der Core Unit Fluorescence Imaging am RVZ aufgenommen. © Anne Auer / DZHI

Bei Erkältungssymptomen: UKW bittet um Tragen von Mund-Nasen-Schutz

Würzburg. Das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) bittet alle Besucher und Patienten mit Erkältungssymptomen, beim Zugang der Klinikgebäude einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Masken stehen in den Eingangsbereichen der Kliniken bereit. Dabei handelt es sich um eine Präventionsmaßnahme angesichts der saisonalen Ausbreitung der Erreger von Atemwegserkrankungen. Von einer generellen Maskenpflicht sieht das Würzburger Universitätsklinikum aufgrund des aktuellen Infektionsgeschehens am UKW ab.

Allerdings kann es in einzelnen Stationsbereichen mit besonders gefährdeten Patientinnen und Patienten bereits auch jetzt die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes geben. Am UKW bewertet regelmäßig eine interdisziplinäre Expertengruppe das aktuelle Infektionsgeschehen und gibt entsprechende Präventionsempfehlungen ab.
 

 

Festliche Klänge zum Advent am 16.12. in der Klinik-Kapelle

Herzliche Einladung zum Konzert des Akademischen Orchesters

Ankündigungsposter

Das Akademische Orchester der Universität Würzburg kommt am Samstag, 16. Dezember 2023 zu einem besonderen Konzert in die Klinik-Kapelle im Altgelände (Haus D23, gegenüber dem Eingang der Kinderklinik).

Beginn des Konzertes ist 16.00 Uhr

Der Eintritt ist frei, Spenden sind am Ausgang erbeten

Solistinnen sind Sophie Hämisch, Maria Popp und Florentine Schiuma
Gesamtleitung hat Markus Popp 

Das Akademische Orchester in Kammerbesetzungen mit Werken von J. S. Bach (Violinkonzert a-Moll, BWV 1041), Josef Gabriel Rheinberger, u .a.

Weitere Infos zum Akademischen Orchester finden Sie hier

Ankündigungsposter

Befragung: Wie lief die Pflege von Angehörigen während der Corona-Pandemie?

Ein Forschungsprojekt am Uniklinikum Würzburg zielt auf eine bessere Unterstützung der Angehörigenpflege in zukünftigen Krisen ab. Dazu sollen Menschen, die während der Covid-19-Pandemie ihnen nahestehende Personen gepflegt haben, zu ihren damaligen Erfahrungen befragt werden.

Symbolbild Hände
Mit einer Umfrage sollen die Erfahrungen angehöriger Pflegepersonen während der Corona-Pandemie im Jahr 2020 erforscht werden. Bild: UKW / Carolin Liebscher

Würzburg. Das Institut für Allgemeinmedizin am Uniklinikum Würzburg sucht für eine Befragung Menschen, die zwischen März und Dezember 2020 eine nahestehende Person unentgeltlich gepflegt haben. „In jenem Zeitraum haben die Covid-19-Pandemie und die Schutzmaßnahmen zur Eindämmung des Virus die Situation in der Angehörigenpflege maßgeblich beeinträchtigt“, schildert Prof. Dr. Ildikó Gágyor, eine der beiden Leiterinnen des Instituts, und fährt fort: „In unserer Studie wollen wir die dabei von den Pflegepersonen gemachten Erfahrungen analysieren, um in zukünftigen Krisensituationen diese Form der Pflege besser unterstützen zu können.“
Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer müssen volljährig sein, über gute Deutschkenntnisse verfügen und im fraglichen Zeitraum mindestens zehn Stunden pro Woche pflegerisch tätig gewesen sein. Bei der Umfrage ist ein Fragenbogen online oder in Papierform auszufüllen, der Zeitbedarf beträgt etwa 30 bis 45 Minuten. Zudem gibt es die Möglichkeit, sich für ein vertiefendes Interview zu melden.
Die Studie ist Teil des vom Bundesforschungsministerium (BMBF) geförderten Forschungsprojektes „CollPan“, das sich mit den indirekten Auswirkungen der Covid-19-Pandemie beschäftigt.
Link zur Befragung: www.t1p.de/collpan-pflege
Kontakt: Institut für Allgemeinmedizin am Uniklinikum Würzburg, Jessica Ruck, E-Mail: Ruck_J1@ ukw.de, Tel: 0931 201-47802
 

Focus-Klinikliste: Uniklinikum Würzburg deutschlandweit auf Platz 17

Bei der kürzlich erschienen Focus-Klinikliste 2024, einer umfassenden Untersuchung der Leistungsfähigkeit von über 1600 deutschen Krankenhäusern, landete das Uniklinikum Würzburg auf Platz 17.

Teamfoto von drei Ärzten
Die aktuelle Focus-Klinikliste empfiehlt das Uniklinikum Würzburg erneut in zahlreichen Fachdisziplinen und bei der Behandlung vieler Krankheitsbilder. Bild: UKW / Salih Usta

Würzburg. Das Uniklinikum Würzburg (UKW) zählt nach wie vor zu Deutschlands besten Kliniken. Zu diesem Ergebnis kommt die im Oktober dieses Jahres erschienene „Klinikliste 2024“ des Nachrichtenmagazins Focus. Demnach belegt das UKW im bundesweiten Vergleich Platz 17. Die Klinikliste empfiehlt das mainfränkische Großkrankenhaus bei der Behandlung folgender Krankheitsbilder oder in folgenden Fachdisziplinen: Angst- und Zwangsstörungen, Blasenkrebs, Brustkrebs, Demenzen, Depressionen, Gallenchirurgie, Gynäkologische Chirurgie, Gynäkologische Onkologie, Handchirurgie, Hauterkrankungen, Hautkrebs, Herzchirurgie, Hirntumoren, Hornhauterkrankungen (Augenheilkunde), Kardiologie, Kinderchirurgie, Kniechirurgie, Kopf-Hals-Tumoren, Lungentumoren, Multiple Sklerose, Neonatologie, Neuropädiatrie, Nierenkrebs, Nuklearmedizin, Parkinson, Prostatakrebs, Refraktive Chirurgie und Katarakt (Augenheilkunde), Risikogeburt und Pränataldiagnostik, Schilddrüsenchirurgie, Schlaganfall, Strahlentherapie, Unfallchirurgie sowie bei den Zahnkliniken. Speziell für internationale Patientinnen und Patienten werden auch die Urologie (im Bereich Onkologie) und die Chirurgie II (im Bereich Orthopädie) empfohlen. 

UNESCO erklärt Hebammenwesen zum „Immateriellen Kulturerbe der Menschheit“

Die UN-Organisation würdigt damit die weltweite kulturelle Vielfalt, die sich in der Praktik widerspiegelt.

Würzburg. Wer an der Würzburger Universitätsmedizin aktuell Hebammenwissenschaft studiert oder bereits als Hebamme arbeitet, ist nun Teil des „Immateriellen Kulturerbes der Menschheit“. Hintergrund: Die UNSECO hat das Hebammenwesen am 6. Dezember zum Teil dieses Kulturerbens erklärt.

Prof. Dr. Ulrich Pecks, seit Oktober Leiter der Geburtshilfe am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und Professor für „Maternale Gesundheit und Hebammenwissenschaft“, freut sich über diese Entscheidung: „Das ist eine großartige Anerkennung für diesen Beruf und zeigt den enormen Stellenwert der Hebammen für Menschen auf der ganzen Welt. Die Entscheidung würdigt zudem das Wissen und die Vielfalt des Berufes.“ An der Universitätsmedizin Würzburg wird der duale Bachelorstudiengang „Hebammenwissenschaft“ seit dem Wintersemester 2022 angeboten. 23 Studierende pro Jahr absolvieren in insgesamt sieben Semestern die entsprechende Ausbildung.

Der Antrag zur Aufnahme in die UNESCO-Liste kam gemeinsam von acht Staaten. Auch Deutschland hat sich daran beteiligt. In der offiziellen Mitteilung der UNESCO heißt es zur es zur Entscheidung: „Die UN-Organisation würdigt damit die weltweite kulturelle Vielfalt, die sich in der Praktik widerspiegelt. Das grundlegende Wissen und Können von Hebammen gleicht sich auf der ganzen der Welt, weist aber je nach Erdteil viele regionale und kulturelle Besonderheiten auf.“ (Quelle: www.unesco.de)

Hier gibt es Informationen zum Studiengang „Hebammenwissenschaften“ in Würzburg

Zur Geburtshilfe des UKW gibt es Informationen unter www.ukw.de

Information: „Immaterielles Kulturerbe“

Zum Immateriellen Kulturerbe zählen lebendige Traditionen aus den Bereichen Naturwissen und Handwerkstechniken sowie Tanz, Theater, Musik und mündliche Überlieferungen, Die UNESCO unterstützt den Schutz, die Dokumentation und den Erhalt gelebter Kultur seit 20 Jahren. Das Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes wurde 2003 von der Generalkonferenz der UNESCO in Paris verabschiedet.

Wie lassen sich die zuckrigen Tarnkappen von Tumorzellen durchbrechen?

Andoni Garitano vom Uniklinikum Würzburg (UKW) hat den Gilead Cell Therapy Grant in Höhe von 53.000 Euro für seine Forschung zum Einfluss der Tumorglykolisierung auf die Antitumorreaktion von CAR-T-Zellen bei hämatologischen Krebserkrankungen erhalten.

Die Preisträger des Gilead Grant Förderprogramms auf der Bühne.
Bei der Verleihung der Gilead Research Grants am 22. November in Frankfurt am Main freuten sich neben Andoni Garitano-Trojaola (erste Reihe, zweiter von links) Forschende von 18 weiteren Projekten über die finanzielle Förderung. © Gilead Sciences GmbH
Porträtbild von Andoni Garitano-Trojaola
Nach seiner Promotion in Navarra setzt der Biochemiker und translationale Krebsforscher Andoni Garitano-Trojaola seit 2016 seine Karriere in der Medizinischen Klinik und Poliklinik II fort und ist seit 2022 in der Translationalen CAR-T-Zellforschung tätig. Für seine Forschung zum Einfluss der Tumorglykolisierung auf die Antitumorreaktion von CAR-T-Zellen bei hämatologischen Krebserkrankungen erhielt er gerade den Gilead Cell Therapy Grant in Höhe von 53.000 Euro. © Frankfurt School of Finance & Management
Teamfoto im Labor
Andoni Garitano-Trojaola zusammen mit Professor Michael Hudecek, Leiter des CAR-T-Zell-Translationsforschungsprogramms, und seinem Team, mit dem der Biochemiker die Zuckermoleküle auf Tumorzellen erforscht. Tumorzellen interagieren mit ihrer Umgebung unter anderem über ihre Oberflächenstruktur. Durch die Zuckerschicht gelingt es ihnen, sich wie mit einer Art Tarnkappe vor Angriffen des Immunsystems zu schützen. © UKW

Würzburg. Krebszellen sind von einer dicken Zuckerschicht umgeben, die es ihnen ermöglicht, sich der Erkennung durch Immunzellen zu entziehen und der Zerstörung zu entgehen. „Die Schicht aus Zucker-Molekülen wirkt wie eine Tarnkappe“, erklärt Dr. Andoni Garitano-Trojaola und bringt seinen Forschungsfokus direkt auf den Punkt: „Das Verständnis dieses Mechanismus ist von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung gezielter Therapien, welche die schützende Zuckerschicht durchbrechen können. Dadurch könnten die Krebszellen anfälliger für die Überwachung durch das Immunsystem werden, was die Effektivität von Immuntherapien gegen Krebs steigern würde.“ Das Gilead Förderprogramm unterstützt sein Forschungsprojekt am Uniklinikum Würzburg (UKW) mit 53.000 Euro. 

Bessere Krebstherapien durch besseres Verständnis der Pathomechanismen

Die Medizinischen Klinik und Poliklinik II hat sich durch starke Kompetenzen in den Bereichen Molekularbiologie und CAR-T-Zelltherapie weltweit einen Namen gemacht hat. Hier befasst sich Andoni Garitano-Trojaola mit seinem Team sowohl mit grundlagenwissenschaftlichen als auch mit translationalen Fragestellungen im Bereich Hämatologie. Übergeordnetes Ziel ist es, die Situation von Patientinnen und Patienten mit Krebserkrankungen, die das blutbildende System betreffen, zu verbessern. „Und dies kann im Wesentlichen nur durch ein besseres Verständnis der zu Grunde liegenden Pathomechanismen gelingen“, sagt Andoni Garitano-Trojaola. Der Biochemiker gilt als international ausgewiesener Experte im Bereich der translationalen Krebsforschung.

Zuckerschicht auf Tumorzellen durchbrechen oder entfernen

In den letzten Jahren konnte die Universitätsmedizin Würzburg bereits wegweisende Mechanismen der Resistenzentwicklung gegenüber Immuntherapien bei hämatologischen Erkrankungen veröffentlichen. Andoni Garitano-Trojaola will nun die genaue Zusammensetzung der Zuckerschicht auf den Krebsantigenen definieren und Behandlungen entwickeln, mit denen diese abnorme Zuckerschicht entfernt oder durchbrochen werden kann. Und schließlich gilt es festzustellen, ob die Entfernung der Zuckerschicht auf den Krebszellen zu einer stärkeren Antitumorreaktion von CAR-T-Zelltherapien führt. Die gewonnenen Erkenntnisse könnten von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung wirksamerer CAR-T-Therapien für Krebspatientinnen und -patienten sein. 

Biochemiker mit MBA

Andoni Garitano-Trojaola stammt aus dem spanischen Baskenland und hat sein Studium der Biochemie an der Universität von Navarra abgeschlossen. Anschließend absolvierte er einen Master in Biomedizinischer Forschung und promovierte in der Krebsforschung an der Cima Universidad de Navarra. Im Jahr 2016 zog er nach Würzburg, um in der Medizinischen Klinik und Poliklinik II seine Karriere in der Translationalen CAR-T-Zellforschung fortzusetzen. Vor kurzem hat er zudem ein Master of Business Administration-Studium an der Frankfurt School of Finance & Management erfolgreich abgeschlossen.
 

Weitere Informationen zu Immuntherapien in der Hämatologie: 

Als große Hoffnungsträger in Behandlung bösartiger Erkrankungen, die das blutbildende System betreffen, gelten Immuntherapien mit Antikörpern oder Gen-manipulierten T-Zellen, den so genannten CAR-T-Zellen. Die Wahl der Immuntherapie und ihr Erfolg hängt im entscheidenden Maße davon ab, ob, wie viele und welche Antigene sich auf der Krebszelle befinden. Das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) spielt bei der Erforschung, Anwendung und Ausweitung dieses neuen Arzneimittelprinzips eine international bedeutende Rolle. 
Eine der vielversprechendsten Behandlungsmethoden gegen den Knochenmarkkrebs sind CAR-modifizierte Immunzellen. Bei der zellulären Immuntherapie wird den weißen Blutkörperchen unseres Immunsystems, den T-Zellen, auf die Sprünge geholfen. Dazu werden die T-Zellen gentechnologisch verändert und im Labor mit einem künstlichen auf die entsprechende Krebsart zugeschnittenen Rezeptor ausgestattet, dem Chimären Antigen Rezeptor, kurz CAR. Anschließend werden die „scharf gestellten“ T-Zellen als lebendes Medikament dem Patienten zurückgegeben. Mithilfe des spezifischen Oberflächenmarkers können die CAR-T-Zellen die Tumorzellen im Körper aufspüren und zerstören. 

Die Preisträger des Gilead Grant Förderprogramms auf der Bühne.
Bei der Verleihung der Gilead Research Grants am 22. November in Frankfurt am Main freuten sich neben Andoni Garitano-Trojaola (erste Reihe, zweiter von links) Forschende von 18 weiteren Projekten über die finanzielle Förderung. © Gilead Sciences GmbH
Porträtbild von Andoni Garitano-Trojaola
Nach seiner Promotion in Navarra setzt der Biochemiker und translationale Krebsforscher Andoni Garitano-Trojaola seit 2016 seine Karriere in der Medizinischen Klinik und Poliklinik II fort und ist seit 2022 in der Translationalen CAR-T-Zellforschung tätig. Für seine Forschung zum Einfluss der Tumorglykolisierung auf die Antitumorreaktion von CAR-T-Zellen bei hämatologischen Krebserkrankungen erhielt er gerade den Gilead Cell Therapy Grant in Höhe von 53.000 Euro. © Frankfurt School of Finance & Management
Teamfoto im Labor
Andoni Garitano-Trojaola zusammen mit Professor Michael Hudecek, Leiter des CAR-T-Zell-Translationsforschungsprogramms, und seinem Team, mit dem der Biochemiker die Zuckermoleküle auf Tumorzellen erforscht. Tumorzellen interagieren mit ihrer Umgebung unter anderem über ihre Oberflächenstruktur. Durch die Zuckerschicht gelingt es ihnen, sich wie mit einer Art Tarnkappe vor Angriffen des Immunsystems zu schützen. © UKW