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MFA hat Schlüsselrolle in Herzinsuffizienz-Versorgung

Deutsches Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) prüft in bundesweiter Studie HI-PLUS die bedarfsoptimierte Versorgung von Menschen mit Herzinsuffizienz durch nichtärztliches Fachpersonal und eHealth-Plattform

Stefan Störk bei einer Fortbildung von HI-Nurses
Neben den Fortbildungen für Herzinsuffizienz-Pflegekräfte (HI-Nurse) leitet Prof. Dr. Stefan Störk am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) seit 2017 auch die Fortbildungen zur Spezialisierten Herzinsuffizienz-Assistenz (HI-MFA). © Daniel Peter / UKW
Stefan Störk mit MFAs bei hybrider Fortbildung
Ende November haben am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) 24 Medizinische Fachangestellte erfolgreich die hybride Fortbildung zur Spezialisierten Herzinsuffizienz-Assistenz (HI-MFA) abgeschlossen, neun von ihnen sind Teil der neuen Versorgungsstudie HI-PLUS. © Kirstin Linkamp / UKW

Würzburg. Ende November haben am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) 24 Medizinische Fachangestellte (MFA) erfolgreich ihre Fortbildung zur Herzinsuffizienz-MFA (HI-MFA) abgeschlossen, neun von ihnen sind Teil der neuen Versorgungsstudie HI-PLUS. In der Cluster-randomisierten kontrollierten Studie, die vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) im Rahmen des Innovationsfonds für drei Jahre mit rund 3,3 Millionen Euro gefördert wird, evaluiert das DZHI einen neuen Ansatz zur sektorenübergreifenden patientenindividuellen Versorgung. Dabei nehmen die Herzinsuffizienz-MFA eine Schlüsselrolle ein. 

Herzinsuffizienz-Patienten erhalten oft keine leitlinien- oder bedarfsgerechte Therapie

„Die Versorgung von Menschen, die an Herzinsuffizienz leiden, ist sehr komplex. Insbesondere nach Erstdiagnose oder nach einer Krankenhauseinweisung übersteigt die sehr individuell zu planende und umfängliche Behandlung häufig die Zeitkontingente im ambulanten Bereich. Herzinsuffizienz-Patienten erhalten daher oft keine leitlinien- oder bedarfsgerechte Therapie“, erläutert Prof. Dr. Stefan Störk die Hintergründe von HI-PLUS. Stefan Störk ist Leiter des Departments Klinische Forschung und Epidemiologie am DZHI sowie des Fortbildungsprogramms für Herzinsuffizienz-Pflegekräfte (HI-Nurse) und Spezialisierte Herzinsuffizienz-Assistenz (HI-MFA) am DZHI. 

Strukturiertes, evidenzbasiertes Care- und Case-Management

In bisherigen Versorgungsprogrammen konnte bereits gezeigt werden, dass eine engmaschigere Betreuung der Patientinnen und Patienten zu einer gesteigerten Krankheitskompetenz und damit zu einem deutlich verbesserten Behandlungsergebnis führt. HI-PLUS baut darauf auf und will zeigen, dass eine zwölfmonatige Behandlung im Rahmen eines strukturierten und evidenzbasierten Care- und Case-Managements die Lebens- und Versorgungsqualität von Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz im Vergleich zur derzeitigen Standardversorgung verbessern kann. Zudem werden weitere positive Effekte erwartet, wie die Stärkung der Zusammenarbeit und des Informationsaustausches zwischen Hausarztpraxen und Facharztpraxen, was auf lange Sicht allen Patientinnen und Patienten zu Gute kommt, die Therapie wird nicht nur optimiert, sondern auch besser angenommen. 

Starke Projektpartner

HI-PLUS wird durch starke Kooperationspartner gemeinsam getragen. Das Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie (Prof. Peter Heuschmann) der Universität Würzburg evaluiert die Studiendaten. Der Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, Controlling und interne Unternehmensrechnung der Universität Würzburg (Prof. Andrea Szczesny) führt im Rahmen des Projektes die gesundheitsökonomische Evaluation durch. Die Deutsche Stiftung für chronisch Kranke (Dr. Bettina Zippel-Schultz) befragt die Patientinnen und Patienten zur wahrgenommenen Versorgungsqualität und führt Interviews mit Ärztinnen, Ärzten, MFAs und Erkrankten zur Einführung und Akzeptanz der neuen Versorgungsform durch. Die Software-Firma SVA System Vertrieb Alexander GmbH stellt die eHealth-Plattform und die elektronische Fallakte medpower® zur Verfügung. 

Engmaschige Betreuung durch die HI-MFA

„Mit 45 kardiologischen Praxen haben wir schon mehr als die Hälfte unserer anvisierten 74 Praxen aus ganz Deutschland rekrutiert. Die kardiologische Praxis ist als Cluster definiert, sie arbeitet mit verschiedenen Hausarztpraxen ihrer Wahl zusammen“, berichtet Studienkoordinatorin Lisa Kimmelmann. Wer Interesse hat, an HI-PLUS teilzunehmen, könne sich weiterhin gerne beim Studienteam melden (www.ukw.de/dzhi/hi-plus). In den Praxen, die der Kontrollgruppe zugeteilt werden, findet unverändert eine Regelversorgung statt. Praxen der Interventionsgruppe lassen ein bis drei MFA aus ihrem Team am DZHI kostenfrei schulen, die dann im Projektverlauf das intensivierte Care- und Case-Management der Erkrankten übernehmen. 

Fortbildung Spezialisierte Herzinsuffizienz-Assistenz

Das DZHI bietet bereits seit dem Jahre 2017 die Fortbildung zur Spezialisierten Herzinsuffizienz-Assistenz nach dem Curriculum der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) an. Der viertägige Lehrgang soll MFA dazu befähigen, Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz strukturiert und individuell nach dem neuesten Wissensstand zu versorgen. Dies beinhaltet unter anderem das Erfassen und Auswerten der multiplen somatischen und psychosozialen Aspekte des Syndroms Herzinsuffizienz, die Therapieüberwachung und Unterstützung der Patienten sowie die Qualitätssicherung. Ein Schwerpunkt des Lehrgangs beruht auf der Vermittlung kommunikationspsychologischer Basiskompetenzen sowie Techniken des telefonischen Monitorings. In Vorlesungen sowie Kleingruppenarbeit und praktischen Übungen werden die Fähigkeit vermittelt, Patienten mit Herzschwäche empathisch und professionell zu betreuen und zu begleiten.

eHealth-Plattform mit leitliniengerechtem Coaching-Modul und barrierefreier Abstimmungsmöglichkeit

Neben dem Lehrgang werden die Spezialisierten Herzinsuffizienz-Assistenzen im Rahmen von HI-PLUS in unterschiedlichen Projekt-Modulen geschult. Denn die HI-MFA rekrutieren auch die Studienteilnehmenden und übernehmen das intensivierte HI-PLUS-Patientenmanagement. Dabei werden sie supervidiert durch den fachärztlichen Vorgesetzten und unterstützt durch ein leitliniengerechtes Coaching-Modul auf der eHealth-Plattform. Über die eigens für HI-PLUS entwickelte und von der Firma SVA gehostete Plattform können sich die MFA mit den Ärztinnen und Ärzten aus der kardiologischen Praxis und der hausärztlichen Praxis barrierefrei über den Zustand der Erkrankten, die Behandlungsziele und Medikationsänderungen austauschen. Auf der Plattform gehen die Werte der Telemonitoring-Geräte wie Waage, Blutdruck und bei Bedarf EKG ein, und alle Versorgungsprozesse werden automatisch dokumentiert. 

Bislang haben sich 36 MFA neu im Rahmen von HI-PLUS spezialisiert. Die Praxen, die der Kontrollgruppe zugewiesen wurden, haben nach Studienabschluss die Möglichkeit, ebenfalls ein bis drei MFA kostenfrei im DZHI schulen zu lassen. Das DZHI bietet derzeit jeweils im Frühjahr und Herbst einen HI-MFA Kurs an, der allen MFAs, die die Teilnahmevoraussetzungen erfüllen, offensteht. Kurs- und Studienleiter Stefan Störk ist davon überzeugt, dass das Berufsbild der MFA ein effizientes und zeitgemäßes Konzept zur verbesserten Versorgung dieser wichtigen Patientengruppe darstellt. 


Projektkoordination HI-PLUS:
Deutsches Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI)
Am Schwarzenberg 15, Haus A15, 97078 Würzburg
Telefon: 0931 201-46306
E-Mail: HI-plus@ ukw.de
www.ukw.de/dzhi/hi-plus
Ansprechpartner: Lisa Kimmelmann / Dr. Peer Papior

 

Über das Krankheitsbild Herzinsuffizienz

Die Zahl der Menschen, die an einer chronischen Herzinsuffizienz, im Volksmund auch Herzschwäche genannt, leiden, wächst stetig. Rund 64 Millionen Menschen weltweit leiden an einer Herzinsuffizienz, davon mehr als 3 Millionen in Deutschland. Herzinsuffizienz ist seit einem Jahrzehnt der häufigste Grund für eine Krankenhausaufnahme und damit ein relevanter gesundheitsökonomischer Faktor. Mit jeder so genannten kardialen Dekompensation und der nachfolgend erforderlichen Krankenhauseinweisung verschlechtert sich die Prognose deutlich. Herzinsuffizienz ist mit einer höheren Sterblichkeit verbunden als die meisten Tumorerkrankungen. Die Tendenz zur Herzinsuffizienz ist in unserer alternden Gesellschaft steigend, aber sie tritt auch bei unter 50-Jährigen auf, Hauptgründe sind hier Übergewicht und Diabetes. Mehr als die Hälfte der Patientinnen und -Patienten hat fünf oder mehr Begleiterkrankungen. Die Pflege und Versorgung von Menschen mit Herzinsuffizienz ist in vielerlei Hinsicht sehr anspruchsvoll. Umso wichtiger ist eine umfassende Behandlung und Betreuung nach der Krankenhausentlassung.

Stefan Störk bei einer Fortbildung von HI-Nurses
Neben den Fortbildungen für Herzinsuffizienz-Pflegekräfte (HI-Nurse) leitet Prof. Dr. Stefan Störk am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) seit 2017 auch die Fortbildungen zur Spezialisierten Herzinsuffizienz-Assistenz (HI-MFA). © Daniel Peter / UKW
Stefan Störk mit MFAs bei hybrider Fortbildung
Ende November haben am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) 24 Medizinische Fachangestellte erfolgreich die hybride Fortbildung zur Spezialisierten Herzinsuffizienz-Assistenz (HI-MFA) abgeschlossen, neun von ihnen sind Teil der neuen Versorgungsstudie HI-PLUS. © Kirstin Linkamp / UKW

Informationen zum Warnstreik am 5. Dezember

Durch eine Notdienstvereinbarung zwischen der Gewerkschaft und dem Universitätsklinikum ist die Notfallversorgung auch während des Streiks gesichert.

Würzburg. Die Gewerkschaft Verdi hat für das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) weitere Streikmaßnahmen angekündigt am Dienstag, 5. Dezember, ab 5.30 Uhr. Der Streik soll 24 Stunden dauern. Durch eine Notdienstvereinbarung zwischen der Gewerkschaft und dem Universitätsklinikum ist die Notfallversorgung auch während des Streiks gesichert.

Allerdings sind deutliche Einschränkungen im Rahmen der übrigen Versorgung zu erwarten. So müssen etwa planbare Eingriffe aufgrund des Streiks verschoben werden, wenn dies medizinisch vertretbar ist. Betroffene Patientinnen und Patienten werden, sofern möglich, von den jeweiligen Kliniken über Terminausfälle und -verschiebungen informiert bzw. gebeten, sich nochmals in der behandelnden Klinik zu erkundigen.

Auch in Ambulanzen, Sprechstunden und weiteren Bereichen kann es am Streiktag zu Einschränkungen kommen. Das UKW steht im engen Kontakt mit Verdi, um die Auswirkungen des Streiks auf die Patientenversorgung gering zu halten.

Anlass der Streikmaßnahmen sind die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Länder. Dabei verhandelt die Tarifgemeinschaft Deutscher Länder (TdL) als Arbeitgeberverband mit der Gewerkschaftsseite. Die Abschlüsse gelten dann auch für die Beschäftigten am Universitätsklinikum Würzburg.

Forschung hilft: Breite Förderung für aussichtsreiche Würzburger Krebsforschungsprojekte

„Forschung hilft“, die Stiftung zur Förderung der Krebsforschung an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, unterstützt in diesem Jahr 19 wissenschaftliche Projekte mit insgesamt über 231.000 Euro. Außerdem wurde erstmals der mit 5.000 Euro dotierte Barbara Stamm Gedächtnispreis ausgelobt.

Gruppenbild Förderpreisträger + Stiftungsrat + Klaus Holetschek + Dr. Hülya Düber
Bei der Benefiz-Gala: Die Förderpreisträgerinnen und -preisträger 2023 der Stiftung „Forschung hilft“ – zusammen mit Klaus Holetschek, bayerischer Landtagsabgeordneter und Schirmherr der Veranstaltung (erste Reihe, Dritter von rechts), der Laudatorin Dr. Hülya Düber, Sozialreferentin der Stadt Würzburg (links neben MdL Holetschek), sowie Mitgliedern des Stiftungsrates. Bild: Silvia Gralla

Seit mittlerweile sechs Jahren sammelt „Forschung hilft“, die Stiftung zur Förderung der Krebsforschung an der Würzburger Julius-Maximilians-Universität (JMU), Spendengelder, um damit in jährlichen Ausschüttungen möglichst viele aussichtsreiche und interessante onkologische Forschungsprojekte zu unterstützen. Bei einer Benefiz-Gala am 28. November 2023 erhielten so 19 Würzburger Forschergruppen Förderpreise von in Summe über 231.000 Euro.

Hier finden Sie zahlreiche Impressionen von der Förderpreis-Verleihung.

Wie lassen sich gentechnisch veränderte, körpereigene Abwehrzellen für die Anwendung bei Nieren- und Nebennierentumoren optimieren? Mit welchen neuen Biomarkern können neuroendokrine Tumore viel früher als bisher entdeckt werden? Was muss man tun, damit sich die auch als Fresszellen bekannten Makrophagen gegen die Tumorzellen des schwarzen Hautkrebses (Melanom) wenden? Forschungsideen wie diese stufte die unabhängige, externe Preis-Jury in diesem Jahr als förderungswürdig ein.

Ein Schwerpunkt auf Immuntherapien

„Insgesamt zeigt sich bei den ausgezeichneten Projekten ein Schwerpunkt im Bereich der Immuntherapien“, kommentiert Prof. Dr. Hermann Einsele aus dem Stiftungsrat von „Forschung hilft“. Der Direktor der Medizinischen Klinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW) und Sprecher des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) WERA fährt fort: „Hier wird ein weiteres Mal deutlich, dass dieser vielgestaltige Behandlungsansatz für zahlreiche Krebsformen die wohl größte Hoffnung auf langfristige Tumorkontrolle und Heilung darstellt. Ich freue mich, dass Arbeitsgruppen aus allen Bereichen der Krebsforschung und Krebsbehandlung hier ausgezeichnet werden. Dies dokumentiert auch die Breite der klinischen und wissenschaftlichen Expertise in der Tumortherapie am Universitätsklinikum Würzburg.“

Sonderpreis im Andenken an Barbara Stamm

Neben den regulären Förderpreisen wurde bei der Benefiz-Gala im Würzburger Best Western Hotel Rebstock erstmals der Barbara Stamm Gedächtnispreis vergeben. Die ehemalige Bayerische Landtagspräsidentin fungierte bis zu ihrem Tod im Jahr 2022 als Ehrenpräsidentin der Stiftung. „Mit dieser Auszeichnung sollen gezielt patientenorientierte Forschungsprojekte geehrt werden, bei denen die Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen im Mittelpunkt steht“, erläuterte die Laudatorin des Sonderpreises Dr. Hülya Düber, Sozialreferentin der Stadt Würzburg, bei der Gala. Als Schirmherr der Veranstaltung konnte MdL Klaus Holetschek gewonnen werden. Bei seiner Festrede sagte der Vorsitzende der CSU-Fraktion des Bayerischen Landtags: „Barbara Stamm war das soziale Gewissen Bayerns. Mit ihrem großen Herzen hat sie sich gekümmert, gekämpft und sich für diejenigen eingesetzt, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Sie hat immer vom Menschen her gedacht und deshalb passt dieser Sonderpreis einfach perfekt zu ihr. Denn hier wird von den Patientinnen und Patienten her gedacht. Der Sonderpreis prämiert Forschungen, die die Lebensqualität der Krebserkrankten entscheidend verbessern können. Und das ist unfassbar wichtig. Barbara Stamm wird hier ein verdientes Andenken gesetzt. Ganz in ihrem Sinne wünsche ich Ihren Forschungsprojekten viele und wesentliche für die Patientinnen und Patienten spürbare Erfolge.“

Für die Erstvergabe erfüllt das Projekt eines interdisziplinaren Forschungsteams um Prof. Dr. Imad Maatouk von der Medizinischen Klinik II des UKW diese Kriterien. Dessen Ziel ist es, eine Intervention aus persönlichen und digitalen Bausteinen zu entwickeln, die Angehörige in die Lage versetzen soll, sich aktiv am Genesungsprozess von onkologischen Patientinnen und Patienten zu beteiligen. Das Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro wurde in diesem Jahr von Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V. zur Verfügung gestellt. Der Würzburger Verein gründete 2017 die Stiftung „Forschung hilft“.

Aufwändige Spendenakquise

„Inklusive der diesjährigen Preise haben wir seit der Gründung der Stiftung insgesamt fast 679.000 Euro ausgeschüttet“, bilanziert Gabriele Nelkenstock, die Vorsitzende des Stiftungsrats und des Vereins „Hilfe im Kampf gegen Krebs“. Um diese Gelder zu akquirieren, ist ein beträchtlicher Aufwand erforderlich. „Der Schlüssel zu einem entsprechenden Spendenaufkommen ist die öffentliche Sichtbarkeit, zum Beispiel durch Vorträge bei Patiententagen und Vereinen oder durch Infostände auf Veranstaltungen wie dem Würzburger Stadtfest“, schildert Nelkenstock. Die notgedrungen kontaktarme Zeit der Corona-Pandemie nutzte die Stiftung nach ihren Worten dazu, die Spenderpflege und Spendenakquise auch über Online-Medien zu organisieren. So werde das Büro der Stiftung mittlerweile durch eine neue Mitarbeiterin unterstützt, die sich schwerpunktmäßig um den digitalen Bereich kümmert. „Nicht zuletzt deshalb konnten wir das Spendenvolumen in den Jahre 2021 und 2022 halten. Für das Jahr 2023 rechnen wir mit einer Steigerung von mindestens 20 Prozent im Vergleich zu den Vorjahren“, kündigt die Stiftungsratsvorsitzende an.

Positive Effekte in viele Richtungen

Nach den Erfahrungen des Rats und Beirats der Stiftung sind eine Spende an „Forschung hilft“ und die damit finanzierten Förderpreise mit zahlreichen positiven Effekten verbunden. Dabei stehen zunächst die von Krebserkrankungen Betroffenen im Mittelpunkt. „Was heute noch eine Forschungsidee ist, kann im Idealfall dazu führen, dass unser Gesundheitswesen diesen Menschen in der Zukunft weitere segensreiche Therapieangebote machen kann“, unterstreicht Walter Nussel, Mitglied des Bayerischen Landtags und Stiftungsratsmitglied.

Weiterhin wird auch der Wissenschaftsstandort Würzburg gestärkt. „Die Stiftung unterstützt die Würzburger Universitätsmedizin dabei, ihren hervorragenden Ruf als Kompetenzzentrum der Krebsforschung auszubauen. Allein die Anzahl von mittlerweile 49 vergebenen Preisen unterstreicht die Breite und Konsequenz, mit der wir unsere hochengagierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fördern“, verdeutlicht Prof. Dr. Paul Pauli, der Präsident der JMU. Und Prof. Einsele ergänzt: „Speziell die Auszeichnung als Hauptstandort des NCT WERA im Februar dieses Jahres hilft uns dabei, exzellente Vordenkerinnen und Vordenker aus dem In- und Ausland nach Würzburg zu holen. Zusammen mit der Aussicht auf eine weitgehend unbürokratische Förderung durch ‚Forschung hilft‘ steigert dies die Attraktivität des Standortes auch für den wissenschaftlichen Nachwuchs.“

Nach den Erfahrungen von Prof. Dr. Matthias Frosch sind die Förderpreise für die ausgezeichneten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gleichzeitig Hilfestellung wie auch Motivationsschub. Der Dekan der Medizinischen Fakultät der JMU erläuterte: „Häufig helfen die zur Verfügung gestellten Mittel den Teams dabei, eine entscheidende finanzielle Hürde zu nehmen. Hinzu kommt ein emotionaler Aspekt: Viele erkennen in dieser von der breiten Bürgerschaft finanzierten Unterstützung eine besondere Wertschätzung für ihr Engagement und die geleistete wissenschaftliche Arbeit.“

Oliver Jörg, Generalsekretär der Hanns Seidel-Stiftung und Mitglied des Stiftungsrats resümierte: „Heute ist ein großartiger Tag für die Stiftung. Ein Tag, der Weichen stellt für die Krebsforschung und neue Meilensteine im Kampf gegen Krebs ermöglicht.“

Dank an die Unterstützerinnen und Unterstützer

Die feierliche Förderpreisübergabe ist laut der Organisatorin Gabriele Nelkenstock der Höhepunkt des Stiftungsjahres. Sie betont: „Nur durch ein großes Netzwerk an Unterstützerinnen und Unterstützern sowie an Spenderinnen und Spendern kann die Stiftung so erfolgreich agieren.“ So gilt ihr besonderer Dank den Sponsoren des Benefiz-Abends: dem Best Western Premier Hotel Rebstock, der Distelhäuser Brauerei, der Sparkasse Mainfranken Würzburg, TV Mainfranken, der Patisserie Walter, dem Weingut Christine Pröstler, der greenlife Floristik, der TELLiT! Designwerkstatt, den Firmen Franken Brunnen, Viktor Nußbaumer und Schraud & Baunach sowie dem Zauberkünstler Bernd Zehnter.

 

Wer die Krebsforschung in Würzburg mitgestalten will, kann die Stiftung „Forschung hilft“ durch eine Spende auf folgendes Konto unterstützen:

Stiftergemeinschaft der Sparkasse Mainfranken Würzburg
IBAN DE19 7905 0000 0000 0655 65
 

Neurodegeneration bei Myelin-Erkrankungen: Kein Myelin ist besser als schlechtes Myelin

Der Verlust von Myelin gilt als potenzieller Auslöser etlicher Erkrankungen des Nervensystems. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht: die Entfernung von erkranktem Myelin kann das Überleben von Nervenfasern erlauben, wie eine neue Studie von Wissenschaftlern der Würzburger Universitätsmedizin zeigt.

Elektronenmikroskopische Aufnahmen von Axonen in der weißen Substanz von gesunden Kontroll-Mäusen (links oben) und von Mäusen mit verschiedenen Myelin-Gendefekten. Axone, die mit abnormem Myelin umwickelt bleiben (links unten), werden von Fortsätzen der Oligodendrozyten (rot gefärbt) eingeschnürt und weisen Merkmale der Degeneration auf (Stern). Im Gegensatz dazu haben Axone, deren Myelin durch Mikroglia (grün gefärbt, rechtes Bild) entfernt wird, eine höhere Chance zu überleben. Größenmaßstab: 0,5 µm.
Elektronenmikroskopische Aufnahmen von Axonen in der weißen Substanz von gesunden Kontroll-Mäusen (links oben) und von Mäusen mit verschiedenen Myelin-Gendefekten. Axone, die mit abnormem Myelin umwickelt bleiben (links unten), werden von Fortsätzen der Oligodendrozyten (rot gefärbt) eingeschnürt und weisen Merkmale der Degeneration auf (Stern). Im Gegensatz dazu haben Axone, deren Myelin durch Mikroglia (grün gefärbt, rechtes Bild) entfernt wird, eine höhere Chance zu überleben. Größenmaßstab: 0,5 µm. (Fotos: Janos Groh, © Springer Nature)

Myelin ist eine isolierende Schicht um die Fortsätze, die Nervenzellen verbinden - die sogenannten Axone. Es erlaubt die schnelle Weiterleitung von elektrischen Signalen und unterstützt die Integrität und Funktion dieser Zellen. Im zentralen Nervensystem wird Myelin von spezialisierten Gliazellen namens Oligodendrozyten gebildet.

Störungen an dieser Isolierschicht sind wesentliche Begleiterscheinung vieler, oft chronischer Erkrankungen des Nervensystems. Ein Paradebeispiel ist die Multiple Sklerose, eine schwerwiegende und häufige neurologische Erkrankung, bei der Immunzellen den Verlust des Myelins antreiben. Fehlgeleitete Immunreaktionen tragen allerdings auch zu anderen Beschwerden bei, die mit Myelin-Defekten verbunden sind – unter anderem zu erblichen und altersbedingten Krankheiten.

Dabei gleichen sich diese Krankheiten in einem wesentlichen Merkmal: Bei den Betroffenen degenerieren Axone und Neurone. Laut allgemeiner Auffassung führt der Verlust des Myelins zu einer gesteigerten Verwundbarkeit und schließlich dem Absterben der entblößten Axone und deren Zellkörper, forciert durch ein toxisches, entzündliches Milieu.

Publikation in Nature Communications

Diese Sichtweise, die die negativen Seiten der Demyelinisierung in den Vordergrund stellt, wird allerdings jetzt von einer neuen Studie relativiert, die an der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikum Würzburg in der Sektion „Experimentelle Entwicklungsneurobiologie“ (Leitung: Prof. Dr. Rudolf Martini) durchgeführt wurde.

Die Federführung lag dabei bei Privatdozent Dr. Janos Groh; daran beteiligt waren das Institut für Molekulare Neurobiologie der TU München (Prof. Dr. Mikael Simons), Professor Antoine-Emmanuel Saliba vom Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (Würzburg) und Forschungsteams aus Hannover und Cambridge.

In der Fachzeitschrift Nature Communications haben die Wissenschaftler die Ergebnisse ihrer Untersuchungen veröffentlicht.

Myelin-Gendefekte lösen prägnante Immunreaktionen aus

Um das Verhältnis zwischen dem Verlust von Myelin und axonaler Degeneration zu untersuchen, haben die Wissenschaftler Mausmodelle seltener Krankheiten studiert, die Defekte im häufigsten Myelin-Protein des zentralen Nervensystems tragen. „Diese Modelle seltener monogenetischer Krankheiten bieten einzigartige Gelegenheiten, um Mechanismen aufzuklären, die umfassende Relevanz für viel häufigere Erkrankungen und sogar Alterungsprozesse haben“, sagt Rudolf Martini.

Die Forscher hatten zuvor entdeckt, dass die Bildung von abnormem oder „schlechtem“ Myelin zu einer Entzündungsreaktion führt, die mit einer Ansammlung spezieller, zellschädigender Immunzellen einhergeht – der sogenannten CD8+-T-Zellen. In den untersuchten Krankheitsmodellen attackieren und schädigen diese Immunzellen Fasersegmente mit abnormem Myelin, ähnlich wie bei der Multiplen Sklerose.

Überraschenderweise und im Widerspruch zur vorherrschenden Sichtweise, fanden die Forscher eine umgekehrte Beziehung zwischen axonalem Verlust und Demyelinisierung beim Vergleich der Krankheitsmodelle. Fasern, die trotz chronischer Attacke durch T-Zellen myelinisiert blieben, hatten ein höheres Risiko abzusterben, wohingegen jene mit Myelin-Verlust überlebten. Außerdem korrelierten Verhaltensdefizite der Mäuse deutlicher mit dem Verlust von Nervenzellen als mit der Demyelinisierung.

Beständiges abnormes Myelin als Risikofaktor für axonale Degeneration

„Diese umgekehrte Beziehung war unerwartet und hat uns dazu verleitet, die Interaktionen von abnormen Oligodendrozyten und einem weiteren Immunzelltyp, der sogenannten Mikroglia, näher zu untersuchen“ erklärt Janos Groh. Mikroglia sind Zellen des angeborenen Immunsystems, die das zentrale Nervensystem besiedeln und schädliche, aber auch hilfreiche Immunreaktionen organisieren können.

In ihrer Studie benutzten die Autoren unterschiedliche pharmakologische Ansätze, um die Entfernung von abnormem Myelin durch Mikroglia zu modulieren. „Wir zeigen, dass die effiziente, von Mikroglia vermittelte Entfernung des gestörten Myelins, das von adaptiven Immunzellen angegriffen wird, das Überleben von Axonen in reversiblen Stadien der Schädigung ermöglicht“, fügt Groh hinzu. Die andauernde Umhüllung mit „schlechtem” Myelin scheint also schädlicher für Neurone zu sein als der Verlust des Myelins, zumindest wenn Myelin durch adaptive Immunität ins Visier genommen wird.

Oligodendrozyten, die von Immunzellen angegriffen werden, schädigen aktiv Axone

Die Wissenschaftler konnten auch einen Mechanismus identifizieren, wie die von T-Zellen attackierten Oligodendrozyten ihre axonalen Partner beeinträchtigen. Sie fanden eine ungewöhnliche Einschnürungsreaktion an den Myelin-bildenden Fortsätzen, die sich um die Axone wickeln. „Wenn wir diese irrtümliche Einschnürung verhinderten, konnten wir die axonale Degeneration reduzieren“, fasst Groh zusammen. „Die Attacke durch T-Zellen scheint die Oligodendrozyten dazu anzustiften, Axone wie eine Würgeschlange zu strangulieren“ fügt Martini hinzu.  

„Was ist der ‚biologische Sinn‘ dieser hoch organisierten aber selbstverstümmelnden Prozesse?“, fragt sich der Grundlagenwissenschaftler Martini. Die Forscher vermuten, dass diese Reaktionen der Oligodendrozyten unter anderen Umständen hilfreich sein können, beispielsweise nach Verletzungen des Nervensystems. Die irrtümliche Einleitung dieser immunvermittelten Mechanismen könnte allerdings eine schädliche Reaktion in vielen Krankheiten darstellen.

Laut Groh und Martini hat ihre Studie mögliche Zielpunkte für die Therapie von Erkrankungen, die mit Myelin-Defekten und Entzündung im Nervensystem verbunden sind, identifiziert. Außerdem betonen sie, dass neue Therapieansätze für Myelin-Erkrankungen idealerweise schädliche Immunreaktionen blockieren, aber nützliche Immunreaktionen wie die Entfernung von „schlechtem“ Myelin weiterhin zulassen sollten. Das könnte dabei helfen, Mechanismen der neuralen Resilienz als Voraussetzung für die Erholung von Schäden in Nervensystem zu fördern.

Originalpublikation

Microglia-mediated demyelination protects against CD8+ T cell-driven axon degeneration in mice carrying PLP defects. Janos Groh, Tassnim Abdelwahab, Yogita Kattimani, Michaela Hörner, Silke Loserth, Viktoria Gudi, Robert Adalbert, Fabian Imdahl, Antoine-Emmanuel Saliba, Michael Coleman, Martin Stangel, Mikael Simons & Rudolf Martini. Nature Communications 14, 6911 (2023). https://doi.org/10.1038/s41467-023-42570-2

https://rdcu.be/dqEk4 

 

Kontakt

PD Dr. Janos Groh, Principal Investigator am Institut für Molekulare Neurobiologie, Technische Universität München, P: +49 89 4400 46481, janos.groh@ tum.de

Prof. Dr. Rudolf Martini, Senior Professor an der Neurologischen Klinik, Universitätsklinikum Würzburg., P: +49 931 201 23268, rudolf.martini@ uni-wuerzburg.de

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@GrohJanos @Uni_WUE @TU_Muenchen

Pressemeldung Universität Würzburg

Elektronenmikroskopische Aufnahmen von Axonen in der weißen Substanz von gesunden Kontroll-Mäusen (links oben) und von Mäusen mit verschiedenen Myelin-Gendefekten. Axone, die mit abnormem Myelin umwickelt bleiben (links unten), werden von Fortsätzen der Oligodendrozyten (rot gefärbt) eingeschnürt und weisen Merkmale der Degeneration auf (Stern). Im Gegensatz dazu haben Axone, deren Myelin durch Mikroglia (grün gefärbt, rechtes Bild) entfernt wird, eine höhere Chance zu überleben. Größenmaßstab: 0,5 µm.
Elektronenmikroskopische Aufnahmen von Axonen in der weißen Substanz von gesunden Kontroll-Mäusen (links oben) und von Mäusen mit verschiedenen Myelin-Gendefekten. Axone, die mit abnormem Myelin umwickelt bleiben (links unten), werden von Fortsätzen der Oligodendrozyten (rot gefärbt) eingeschnürt und weisen Merkmale der Degeneration auf (Stern). Im Gegensatz dazu haben Axone, deren Myelin durch Mikroglia (grün gefärbt, rechtes Bild) entfernt wird, eine höhere Chance zu überleben. Größenmaßstab: 0,5 µm. (Fotos: Janos Groh, © Springer Nature)

Neuer evangelischer Klinikseelsorger am Uniklinikum Würzburg

Peter Meyer verstärkt seit August dieses Jahres das ökumenische Seelsorgeteam des Uniklinikums Würzburg. Der evangelische Pfarrer war zuletzt in Coburg in einer Gemeinde sowie als Studierenden- und Notfallseelsorger tätig.

Peter Meyer, ökumenisches Seelsorgeteam. Bild: Lothar Mitschke
Peter Meyer ist jetzt Teil des ökumenischen Seelsorgeteams des Uniklinikums Würzburg. Bild: Lothar Mitschke

Anfang August dieses Jahres trat Peter Meyer seinen Dienst als Seelsorger am Uniklinikum Würzburg (UKW) an. Der gebürtige Göttinger (Jahrgang 1964) wuchs in Hof an der Saale auf. Nach Theologiestudium, Ausbildung und Ordination führte ihn 1996 ein Auslandsvikariat nach New York/USA. Dort absolvierte er am Columbia-Presbyterian Medical Center eine Klinische Seelsorgeausbildung (KSA). „New York war für mich natürlich eine spannende Stadt. Gleichzeitig interessierte mich, wie eine KSA in ihrem historischen Ursprungsland abläuft“, erläutert Meyer.

Gemeindepfarrer sowie Studierenden- und Notfallseelsorger

Zurück in Deutschland war er 19 Jahre lang als Gemeindepfarrer in Nürnberg tätig. Weitere sechs Jahre im Dienste einer Gemeinde in Coburg schlossen sich an, dort auch als Studierendenseelsorger. Die Verbindung zur Seelsorge nahe am Gesundheitswesen hielt er während all dieser Jahre vor allem durch sein zusätzliches Engagement in der Notfallseelsorge aufrecht. Meyer: „Die am UKW ausgeschriebene Stelle gab mir Gelegenheit, mich nochmals voll und ganz den reizvollen Herausforderungen der besonderen Lebenswelt Krankenhaus zu widmen.“ Nach seinen Erfahrungen trifft man als Seelsorger praktisch auf jeder Station auf andere Bedürfnisse. „Auf manchen Stationen werden Krankheiten behandelt, die das Weiterleben radikal in Frage stellen. Hier gehören zur Seelsorgearbeit natürlich auch die Themen Trost, Abschied und Trauer“, erläutert der Pfarrer und fährt fort: „Für manche Patientinnen und Patienten auf anderen Stationen ist der Krankenhausaufenthalt ‚nur‘ eine Unterbrechung des bisherigen Lebens, die sie jedoch in tiefes Nachdenken versetzt. Gerade nach überstandenen Unfällen ringen viele mit der Frage: „Wer will ich weiter sein, wie will ich mein Leben in Zukunft gestalten?“

Auf den Stationen und im Ethikkomitee im Einsatz

Neben der Arbeit auf den Stationen, hauptsächlich in den Zentren für Operative und Innere Medizin, ist er Mitglied des Klinischen Ethikkomitees des UKW und übernimmt aktuell auch seelsorgerliche Aufgaben im Zentrum für Psychische Gesundheit.

Die ersten Monate in Würzburg empfand Peter Meyer als aufregend: „Ich kannte aus meinem bisherigen Lebensweg die Grundenergie von Krankenhäusern und der Klinikseelsorge, aber das Zurechtfinden und die Arbeit in einem Großklinikum wie dem UKW waren da nochmal eine ganz andere Nummer.“ Allerdings sei ihm das Eingewöhnen durch die herzliche Aufnahme im ökumenischen Seelsorgeteam sehr erleichtert worden. Sein Resümee zur vollzogenen beruflichen Neuausrichtung: „Ich bin sehr froh und zufrieden, dass ich diesen Schritt gegangen bin.“

Peter Meyer, ökumenisches Seelsorgeteam. Bild: Lothar Mitschke
Peter Meyer ist jetzt Teil des ökumenischen Seelsorgeteams des Uniklinikums Würzburg. Bild: Lothar Mitschke

Post-Covid-19-Syndrom: Betroffene für die Therapiestudie gesucht

In der vom Würzburger Institut für Allgemeinmedizin geleiteten Studie PreVitaCOV evaluieren die Universitätskliniken Würzburg, Tübingen und Kiel eine Behandlungsoption.

Grafik - Frau trägt Virus auf dem Rücken
Für die Studie PreVitaCOV „Prednisolon und Vitamin B1, 6 und 12 bei Patientinnen und Patienten mit Post-COVID-19-Syndrom“ werden noch Teilnehmende gesucht. @Julia Bernhard

Würzburg. Nach einer Covid-19-Infektion leiden einige Betroffene unter anhaltenden Symptomen wie Müdigkeit, Atemnot, Konzentrationsproblemen, Angstzuständen, Depressionen. Wenn diese Beschwerden drei Monate oder länger fortbestehen, kommt ein Post-Covid-19-Syndrom in Betracht. Die genauen Ursachen sind unterschiedlich und noch nicht vollständig geklärt, doch könnten Immunreaktionen nach der Virusinfektion, anhaltende Entzündungsprozesse und Autoantikörper eine Rolle spielen. Dadurch gestaltet sich die Suche nach geeigneten medizinischen und medikamentösen Behandlungen für die Betroffenen oft herausfordernd.

Wie wirksam sind Prednisolon und Vitamine B1, B6 und B12 beim Post-Covid-19-Syndrom?

Seit Beginn des Jahres führt das Universitätsklinikum Würzburg zusammen mit den Universitätsklinika in Kiel und Tübingen eine der ersten medikamentösen Therapiestudien namens „PreVitaCOV“ durch. Ziel ist es, die Wirksamkeit von Prednisolon und einer Fixkombination der Vitamine B1, B6 und B12 bei der Behandlung des Post-Covid-19-Syndroms zu untersuchen. 

Studienteilnehmende gesucht

Für die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Studie werden weiterhin Probandinnen und Probanden gesucht. Wer unter einem Post-Covid-19-Syndrom leidet und Interesse an einer Studienteilnahme hat, kann sich gern beim engagierten Studienteam des Instituts für Allgemeinmedizin melden; Telefon: +49 931 201-47899, E-Mail: PreVitaCOV@ ukw.de

Die Studienmedikation wird über einen Zeitraum von 28 Tagen eingenommen, während die gesamte Studiendauer inklusive Nachbeobachtungszeitraum sechs Monate beträgt. Als Anerkennung für die wertvolle Mitwirkung erhalten die Teilnehmenden eine Aufwandsentschädigung. Weitere Informationen zu PreVitaCOV liefert die Studienwebseite.

Grafik - Frau trägt Virus auf dem Rücken
Für die Studie PreVitaCOV „Prednisolon und Vitamin B1, 6 und 12 bei Patientinnen und Patienten mit Post-COVID-19-Syndrom“ werden noch Teilnehmende gesucht. @Julia Bernhard

Onkologische Hochleistungsmedizin made in Germany

Unterzeichnung der Bund-Länder-Verwaltungsvereinbarung zur NCT-Erweiterung

 

Die WERA-Allianz (Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg) ist glücklich und stolz, Teil des erweiterten NCT zu sein.

 

Gruppenbild des NCT WERA Direktoriums, Klaus Holetschek und Ursula Weyrich
Im Juni 2023 fand die feierliche Auftaktveranstaltung für das NCT WERA in Würzburg statt, v.l.n.r.: Ursula Weyrich, Kaufmännische Vorständin des Deutschen Krebsforschungszentrums, Prof. Dr. Wolfgang Herr (Regensburg), Prof. Dr. Marianne Pavel (Erlangen), Prof. Dr. Hermann Einsele (Würzburg), der damalige Bayrische Gesundheitsminister Klaus Holetschek und Prof. Dr. Nina Ditsch (Augsburg). © A. Wolf / UKW

Würzburg/Erlangen/Regensburg/Augsburg: Am 24. November haben die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Bettina Stark-Watzinger, Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Petra Olschowski sowie Vertreterinnen und Vertreter der Ministerien aus Bayern, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Sachsen in Heidelberg die Bund-Länder-Verwaltungsvereinbarung zur NCT-Erweiterung unterzeichnet. Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) wurde bundesweit um vier neue Standorte erweitert. Diese sind Berlin, SüdWest (Tübingen/Stuttgart-Ulm), WERA (Würzburg mit den Partnern Erlangen, Regensburg und Augsburg) und West (Essen/Köln). Mit den schon bestehenden Standorten Heidelberg und Dresden kooperieren nun insgesamt sechs NCT-Standorte mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und der Universitätsmedizin. Erklärtes Ziel ist es, modernste klinische Krebsforschung in Deutschland nachhaltig voranzubringen und hierdurch die Behandlungsergebnisse und Lebensqualität von Krebspatientinnen und -patienten zu verbessern.

WERA-Partner decken Versorgungsgebiet von rund acht Millionen Menschen ab

„Mit der Einrichtung des NCT wird eine neue Ära für die translationale Krebsforschung am Wissenschaftsstandort Deutschland eingeläutet“, kommentiert Prof. Dr. Hermann Einsele, Sprecher Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen NCT WERA und Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II am Universitätsklinikum Würzburg. „Wir sind sehr glücklich und auch etwas stolz, dass wir nun Teil des erweiterten NCT sind“, freut sich Prof. Dr. Wolfgang Herr, Stellvertretender Sprecher des NCT WERA und Direktor der Klinik für Innere Medizin III am Uniklinikum Regensburg.

Mit dem NCT WERA werde gerade im nordbayerischen Raum die Möglichkeit geschaffen, neueste Verfahren in der Diagnostik und Therapie von Krebserkrankung auch in der Fläche anzubieten. Die vier WERA-Partner decken ein Versorgungsgebiet von rund acht Millionen Menschen ab. „Durch die NCT-Förderung erhalten alle Krebspatientinnen und -patienten, auch jene aus vorwiegend ländlichen Gebieten, an den WERA-Standorten den bestmöglichen Zugang zu modernsten onkologischen Diagnostik- und Therapieverfahren sowie zu innovativen klinischen Studien“, sagt Wolfgang Herr. 

Nachwuchs erhält geschützten Freiraum für die Forschung 

Und auch für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellt Hermann Einsele zufolge das NCT eine großartige Möglichkeit dar, die Erkenntnisse aus den Grundlagenwissenschaften und aus der präklinischen Forschung in die Klinik transferieren zu können: „Die Nachwuchsforschung wird mit vielen neuen Positionen für forschungsorientierte Kolleginnen und Kollegen und neuen Karriereoptionen deutlich ausgebaut. Schließlich wird das NCT ‚protected time‘ ermöglichen, um Studienideen oder Forschungsvorhaben von jungen Ärztinnen und Ärzten in die Klinik zu bringen.“

Neueste Erkenntnisse rasch und flächendeckend in klinische Studien bringen

Die Bedeutung der Nachwuchsförderung aber auch der Translation verdeutlichte Privat-Dozentin Dr. Sophia Danhof vom Universitätsklinikum Würzburg im Rahmen der Podiumsdiskussion, die kurz vor der Unterzeichnung der Bund-Länder-Vereinbarung stattfand: „Wo in der Vergangenheit exzellente präklinische Forschung nicht oder nur unzureichend die klinische Anwendung erreicht hat, bündelt das NCT nun alle Kräfte, um Krebspatientinnen und -patienten die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse möglichst rasch und flächendeckend in klinischen Studien zugutekommen zu lassen. Das NCT beflügelt so die Translation deutscher Spitzenforschung in onkologische Hochleistungsmedizin ‚made in Germany‘“, so die Internistin und Forschungsgruppenleiterin am Lehrstuhl für Zelluläre Immuntherapie. 
Konkret sollen im NCT WERA die Entwicklung neuer Krebsmedikamente und die auf den einzelnen Erkrankten zugeschnittene personalisierte Medizin weiter gestärkt werden. Schwerpunkte werden unter anderem der weitere Ausbau innovativer Immuntherapien („CAR-T-Zellen“) und die Entwicklung neuer molekularer Therapeutika sein. 

Patientenvertretung fördert Verständnis patientenorientierter Forschung

„Als WERA-Verbund mit den Standorten Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg aktiver Teil des NCT zu sein, ermögliche Prof. Dr. Nina Ditsch zufolge erstmalig die gezielte Förderung gemeinsam entwickelter translationaler Projekte mit Fokus auf Investigator initiierten Studien, also von der universitären Wissenschaft initiierte Studien ohne kommerzielles Interesse. „Darüber hinaus soll die enge Vernetzung mit Patientenvertretern verschiedenster Tumorentitäten insbesondere die frühe Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und damit das Verständnis für eine patientenorientierte Forschung fördern“, so die Leiterin des Brustzentrums am Universitätsklinikum Augsburg und Mitglied des NCT WERA-Direktoriums. 

Auf hervorragende Vernetzung der CCC Allianz WERA zurückgreifen 

Prof. Dr. Marianne Pavel, die ebenfalls Mitglied des NCT WERA Direktoriums und am Uniklinikum Erlangen den Schwerpunkt Endokrinologie leitet, betont die hervorragende Vernetzung der WERA-Allianz. „Die über die letzten Jahre etablierten Strukturen des CCC WERA tragen wesentlich dazu bei, die gemeinsamen Ziele von NCT und CCC zu verwirklichen.“ Denn die von der Deutschen Krebshilfe als „Onkologisches Spitzenzentrum“ ausgezeichnete „Comprehensive Cancer Center Allianz WERA“ hat sich bereits 2019 zusammengeschlossen. Schon vor der Aufnahme ins NCT wurden in der CCC Allianz WERA jedes Jahr mehr als 10.000 Patientinnen und Patienten mit allen Arten von Tumorerkrankungen neu in gemeinsame klinische Studien eingebunden. 

Prof. Dr. Ralf Bargou, Direktor des Comprehensive Cancer Center (CCC Mainfranken), Sprecher des CCC WERA und Mitglied des Direktoriums NCT WERA resümiert: „Für die gemeinsame Arbeit in der WERA-Allianz ist die Unterzeichnung der Bund-Länder-Verwaltungsvereinbarung zur NCT-Erweiterung ein weiterer wichtiger Meilenstein. Und es ist auch eine Anerkennung für die langjährige Aufbauarbeit, die hinter diesen gemeinsamen Strukturen steht. Die kommenden Projekte werden nun nochmals weiteren Anschub geben, um die Versorgung von Menschen mit Tumorerkrankungen in der WERA-Region zu verbessern. Genau das ist das Ziel der universitären Forschung und das kennzeichnet unsere gemeinsame Arbeit.“

Hier geht es zur Pressemitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) zur Unterzeichnung der Bund-Länder-Verwaltungsvereinbarung.

 

Ausführliche Statements von den WERA-Standorten:

Prof. Dr. Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II am Universitätsklinikum Würzburg:
„Mit der Einrichtung des NCT wird eine neue Ära für die translationale Krebsforschung am Wissenschaftsstandort Deutschland eingeläutet. Mit dem NCT WERA wird gerade im Nordbayerischen Raum mit seiner großen eher ländlichen Bevölkerung die Möglichkeit geschaffen, neueste Verfahren in der Diagnostik und Therapie von Krebserkrankung auch in der Fläche anzubieten. Für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellt das NCT eine großartige Möglichkeit dar, die Erkenntnisse aus den Grundlagenwissenschaften und aus der präklinischen Forschung in die Klinik transferieren zu können. Die Nachwuchsforschung wird mit vielen neuen Positionen für forschungsorientierte Kolleginnen und Kollegen und neuen Karriereoptionen deutlich ausgebaut. Schließlich wird das NCT ‚protected time‘ ermöglichen, um Studienideen oder Forschungsvorhaben von jungen Ärztinnen und Ärzten in die Klinik zu bringen.

Prof. Dr. Marianne Pavel, Leiterin des Schwerpunktes Endokrinologie am Uniklinikum Erlangen: „Durch das erweiterte NCT können nun neue Therapieansätze zur Bekämpfung von Krebserkrankungen rascher und effektiver in die klinische Anwendung gebracht werden, dies auch dank der hohen Expertise im NCT Verbund. Die neuen deutschlandweiten Strukturen und Maßnahmen ermöglichen es, diese Expertise zu bündeln, und innovative klinische Forschung erstmalig in relevanten Ausmaß in Deutschland umzusetzen. Dabei können wir dankenswerterweise auf eine hervorragende Vernetzung in der CCC Allianz WERA zurückgreifen. Die über die letzten Jahre etablierten Strukturen des CCC WERA tragen wesentlich dazu bei, die gemeinsamen Ziele von NCT und CCC zu verwirklichen.

Dr. Wolfgang Herr, Direktor der Klinik für Innere Medizin III am Uniklinikum Regensburg: „Durch die NCT-Förderung erhalten alle Krebspatientinnen und -patienten, auch jene aus vorwiegend ländlichen Gebieten, an den WERA-Standorten den bestmöglichen Zugang zu modernsten onkologischen Diagnostik- und Therapieverfahren sowie zu innovativen klinischen Studien. Wir sind sehr glücklich und auch etwas stolz, dass wir nun Teil des erweiterten NCT sind.

Prof. Dr. Nina Ditsch, Leiterin des Brustzentrums am Universitätsklinikum Augsburg: „Als WERA-Verbund mit den Standorten Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg aktiver Teil des NCT zu sein, ermöglicht erstmalig die gezielte Förderung gemeinsam entwickelter translationaler Projekte mit Fokus auf Investigator initiierten Studien, also von der universitären Wissenschaft initiierte Studien ohne kommerzielles Interesse. Durch die Schaffung spezieller Vernetzungsstrukturen im Bereich von Forschung und Klinik wird der Grundstein für eine speziell auf den wissenschaftlichen Nachwuchs ausgerichtete Förderung zum Thema Krebs gelegt. Die enge Vernetzung mit Patientenvertretern verschiedenster Tumorentitäten soll insbesondere die frühe Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und damit das Verständnis für eine patientenorientierte Forschung fördern.“
 

Gruppenbild des NCT WERA Direktoriums, Klaus Holetschek und Ursula Weyrich
Im Juni 2023 fand die feierliche Auftaktveranstaltung für das NCT WERA in Würzburg statt, v.l.n.r.: Ursula Weyrich, Kaufmännische Vorständin des Deutschen Krebsforschungszentrums, Prof. Dr. Wolfgang Herr (Regensburg), Prof. Dr. Marianne Pavel (Erlangen), Prof. Dr. Hermann Einsele (Würzburg), der damalige Bayrische Gesundheitsminister Klaus Holetschek und Prof. Dr. Nina Ditsch (Augsburg). © A. Wolf / UKW