Aktuelle Pressemitteilungen

Neuer evangelischer Klinikseelsorger am Uniklinikum Würzburg

Peter Meyer verstärkt seit August dieses Jahres das ökumenische Seelsorgeteam des Uniklinikums Würzburg. Der evangelische Pfarrer war zuletzt in Coburg in einer Gemeinde sowie als Studierenden- und Notfallseelsorger tätig.

Peter Meyer, ökumenisches Seelsorgeteam. Bild: Lothar Mitschke
Peter Meyer ist jetzt Teil des ökumenischen Seelsorgeteams des Uniklinikums Würzburg. Bild: Lothar Mitschke

Anfang August dieses Jahres trat Peter Meyer seinen Dienst als Seelsorger am Uniklinikum Würzburg (UKW) an. Der gebürtige Göttinger (Jahrgang 1964) wuchs in Hof an der Saale auf. Nach Theologiestudium, Ausbildung und Ordination führte ihn 1996 ein Auslandsvikariat nach New York/USA. Dort absolvierte er am Columbia-Presbyterian Medical Center eine Klinische Seelsorgeausbildung (KSA). „New York war für mich natürlich eine spannende Stadt. Gleichzeitig interessierte mich, wie eine KSA in ihrem historischen Ursprungsland abläuft“, erläutert Meyer.

Gemeindepfarrer sowie Studierenden- und Notfallseelsorger

Zurück in Deutschland war er 19 Jahre lang als Gemeindepfarrer in Nürnberg tätig. Weitere sechs Jahre im Dienste einer Gemeinde in Coburg schlossen sich an, dort auch als Studierendenseelsorger. Die Verbindung zur Seelsorge nahe am Gesundheitswesen hielt er während all dieser Jahre vor allem durch sein zusätzliches Engagement in der Notfallseelsorge aufrecht. Meyer: „Die am UKW ausgeschriebene Stelle gab mir Gelegenheit, mich nochmals voll und ganz den reizvollen Herausforderungen der besonderen Lebenswelt Krankenhaus zu widmen.“ Nach seinen Erfahrungen trifft man als Seelsorger praktisch auf jeder Station auf andere Bedürfnisse. „Auf manchen Stationen werden Krankheiten behandelt, die das Weiterleben radikal in Frage stellen. Hier gehören zur Seelsorgearbeit natürlich auch die Themen Trost, Abschied und Trauer“, erläutert der Pfarrer und fährt fort: „Für manche Patientinnen und Patienten auf anderen Stationen ist der Krankenhausaufenthalt ‚nur‘ eine Unterbrechung des bisherigen Lebens, die sie jedoch in tiefes Nachdenken versetzt. Gerade nach überstandenen Unfällen ringen viele mit der Frage: „Wer will ich weiter sein, wie will ich mein Leben in Zukunft gestalten?“

Auf den Stationen und im Ethikkomitee im Einsatz

Neben der Arbeit auf den Stationen, hauptsächlich in den Zentren für Operative und Innere Medizin, ist er Mitglied des Klinischen Ethikkomitees des UKW und übernimmt aktuell auch seelsorgerliche Aufgaben im Zentrum für Psychische Gesundheit.

Die ersten Monate in Würzburg empfand Peter Meyer als aufregend: „Ich kannte aus meinem bisherigen Lebensweg die Grundenergie von Krankenhäusern und der Klinikseelsorge, aber das Zurechtfinden und die Arbeit in einem Großklinikum wie dem UKW waren da nochmal eine ganz andere Nummer.“ Allerdings sei ihm das Eingewöhnen durch die herzliche Aufnahme im ökumenischen Seelsorgeteam sehr erleichtert worden. Sein Resümee zur vollzogenen beruflichen Neuausrichtung: „Ich bin sehr froh und zufrieden, dass ich diesen Schritt gegangen bin.“

Peter Meyer, ökumenisches Seelsorgeteam. Bild: Lothar Mitschke
Peter Meyer ist jetzt Teil des ökumenischen Seelsorgeteams des Uniklinikums Würzburg. Bild: Lothar Mitschke

Post-Covid-19-Syndrom: Betroffene für die Therapiestudie gesucht

In der vom Würzburger Institut für Allgemeinmedizin geleiteten Studie PreVitaCOV evaluieren die Universitätskliniken Würzburg, Tübingen und Kiel eine Behandlungsoption.

Grafik - Frau trägt Virus auf dem Rücken
Für die Studie PreVitaCOV „Prednisolon und Vitamin B1, 6 und 12 bei Patientinnen und Patienten mit Post-COVID-19-Syndrom“ werden noch Teilnehmende gesucht. @Julia Bernhard

Würzburg. Nach einer Covid-19-Infektion leiden einige Betroffene unter anhaltenden Symptomen wie Müdigkeit, Atemnot, Konzentrationsproblemen, Angstzuständen, Depressionen. Wenn diese Beschwerden drei Monate oder länger fortbestehen, kommt ein Post-Covid-19-Syndrom in Betracht. Die genauen Ursachen sind unterschiedlich und noch nicht vollständig geklärt, doch könnten Immunreaktionen nach der Virusinfektion, anhaltende Entzündungsprozesse und Autoantikörper eine Rolle spielen. Dadurch gestaltet sich die Suche nach geeigneten medizinischen und medikamentösen Behandlungen für die Betroffenen oft herausfordernd.

Wie wirksam sind Prednisolon und Vitamine B1, B6 und B12 beim Post-Covid-19-Syndrom?

Seit Beginn des Jahres führt das Universitätsklinikum Würzburg zusammen mit den Universitätsklinika in Kiel und Tübingen eine der ersten medikamentösen Therapiestudien namens „PreVitaCOV“ durch. Ziel ist es, die Wirksamkeit von Prednisolon und einer Fixkombination der Vitamine B1, B6 und B12 bei der Behandlung des Post-Covid-19-Syndroms zu untersuchen. 

Studienteilnehmende gesucht

Für die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Studie werden weiterhin Probandinnen und Probanden gesucht. Wer unter einem Post-Covid-19-Syndrom leidet und Interesse an einer Studienteilnahme hat, kann sich gern beim engagierten Studienteam des Instituts für Allgemeinmedizin melden; Telefon: +49 931 201-47899, E-Mail: PreVitaCOV@ ukw.de

Die Studienmedikation wird über einen Zeitraum von 28 Tagen eingenommen, während die gesamte Studiendauer inklusive Nachbeobachtungszeitraum sechs Monate beträgt. Als Anerkennung für die wertvolle Mitwirkung erhalten die Teilnehmenden eine Aufwandsentschädigung. Weitere Informationen zu PreVitaCOV liefert die Studienwebseite.

Grafik - Frau trägt Virus auf dem Rücken
Für die Studie PreVitaCOV „Prednisolon und Vitamin B1, 6 und 12 bei Patientinnen und Patienten mit Post-COVID-19-Syndrom“ werden noch Teilnehmende gesucht. @Julia Bernhard

Onkologische Hochleistungsmedizin made in Germany

Unterzeichnung der Bund-Länder-Verwaltungsvereinbarung zur NCT-Erweiterung

 

Die WERA-Allianz (Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg) ist glücklich und stolz, Teil des erweiterten NCT zu sein.

 

Gruppenbild des NCT WERA Direktoriums, Klaus Holetschek und Ursula Weyrich
Im Juni 2023 fand die feierliche Auftaktveranstaltung für das NCT WERA in Würzburg statt, v.l.n.r.: Ursula Weyrich, Kaufmännische Vorständin des Deutschen Krebsforschungszentrums, Prof. Dr. Wolfgang Herr (Regensburg), Prof. Dr. Marianne Pavel (Erlangen), Prof. Dr. Hermann Einsele (Würzburg), der damalige Bayrische Gesundheitsminister Klaus Holetschek und Prof. Dr. Nina Ditsch (Augsburg). © A. Wolf / UKW

Würzburg/Erlangen/Regensburg/Augsburg: Am 24. November haben die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Bettina Stark-Watzinger, Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Petra Olschowski sowie Vertreterinnen und Vertreter der Ministerien aus Bayern, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Sachsen in Heidelberg die Bund-Länder-Verwaltungsvereinbarung zur NCT-Erweiterung unterzeichnet. Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) wurde bundesweit um vier neue Standorte erweitert. Diese sind Berlin, SüdWest (Tübingen/Stuttgart-Ulm), WERA (Würzburg mit den Partnern Erlangen, Regensburg und Augsburg) und West (Essen/Köln). Mit den schon bestehenden Standorten Heidelberg und Dresden kooperieren nun insgesamt sechs NCT-Standorte mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und der Universitätsmedizin. Erklärtes Ziel ist es, modernste klinische Krebsforschung in Deutschland nachhaltig voranzubringen und hierdurch die Behandlungsergebnisse und Lebensqualität von Krebspatientinnen und -patienten zu verbessern.

WERA-Partner decken Versorgungsgebiet von rund acht Millionen Menschen ab

„Mit der Einrichtung des NCT wird eine neue Ära für die translationale Krebsforschung am Wissenschaftsstandort Deutschland eingeläutet“, kommentiert Prof. Dr. Hermann Einsele, Sprecher Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen NCT WERA und Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II am Universitätsklinikum Würzburg. „Wir sind sehr glücklich und auch etwas stolz, dass wir nun Teil des erweiterten NCT sind“, freut sich Prof. Dr. Wolfgang Herr, Stellvertretender Sprecher des NCT WERA und Direktor der Klinik für Innere Medizin III am Uniklinikum Regensburg.

Mit dem NCT WERA werde gerade im nordbayerischen Raum die Möglichkeit geschaffen, neueste Verfahren in der Diagnostik und Therapie von Krebserkrankung auch in der Fläche anzubieten. Die vier WERA-Partner decken ein Versorgungsgebiet von rund acht Millionen Menschen ab. „Durch die NCT-Förderung erhalten alle Krebspatientinnen und -patienten, auch jene aus vorwiegend ländlichen Gebieten, an den WERA-Standorten den bestmöglichen Zugang zu modernsten onkologischen Diagnostik- und Therapieverfahren sowie zu innovativen klinischen Studien“, sagt Wolfgang Herr. 

Nachwuchs erhält geschützten Freiraum für die Forschung 

Und auch für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellt Hermann Einsele zufolge das NCT eine großartige Möglichkeit dar, die Erkenntnisse aus den Grundlagenwissenschaften und aus der präklinischen Forschung in die Klinik transferieren zu können: „Die Nachwuchsforschung wird mit vielen neuen Positionen für forschungsorientierte Kolleginnen und Kollegen und neuen Karriereoptionen deutlich ausgebaut. Schließlich wird das NCT ‚protected time‘ ermöglichen, um Studienideen oder Forschungsvorhaben von jungen Ärztinnen und Ärzten in die Klinik zu bringen.“

Neueste Erkenntnisse rasch und flächendeckend in klinische Studien bringen

Die Bedeutung der Nachwuchsförderung aber auch der Translation verdeutlichte Privat-Dozentin Dr. Sophia Danhof vom Universitätsklinikum Würzburg im Rahmen der Podiumsdiskussion, die kurz vor der Unterzeichnung der Bund-Länder-Vereinbarung stattfand: „Wo in der Vergangenheit exzellente präklinische Forschung nicht oder nur unzureichend die klinische Anwendung erreicht hat, bündelt das NCT nun alle Kräfte, um Krebspatientinnen und -patienten die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse möglichst rasch und flächendeckend in klinischen Studien zugutekommen zu lassen. Das NCT beflügelt so die Translation deutscher Spitzenforschung in onkologische Hochleistungsmedizin ‚made in Germany‘“, so die Internistin und Forschungsgruppenleiterin am Lehrstuhl für Zelluläre Immuntherapie. 
Konkret sollen im NCT WERA die Entwicklung neuer Krebsmedikamente und die auf den einzelnen Erkrankten zugeschnittene personalisierte Medizin weiter gestärkt werden. Schwerpunkte werden unter anderem der weitere Ausbau innovativer Immuntherapien („CAR-T-Zellen“) und die Entwicklung neuer molekularer Therapeutika sein. 

Patientenvertretung fördert Verständnis patientenorientierter Forschung

„Als WERA-Verbund mit den Standorten Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg aktiver Teil des NCT zu sein, ermögliche Prof. Dr. Nina Ditsch zufolge erstmalig die gezielte Förderung gemeinsam entwickelter translationaler Projekte mit Fokus auf Investigator initiierten Studien, also von der universitären Wissenschaft initiierte Studien ohne kommerzielles Interesse. „Darüber hinaus soll die enge Vernetzung mit Patientenvertretern verschiedenster Tumorentitäten insbesondere die frühe Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und damit das Verständnis für eine patientenorientierte Forschung fördern“, so die Leiterin des Brustzentrums am Universitätsklinikum Augsburg und Mitglied des NCT WERA-Direktoriums. 

Auf hervorragende Vernetzung der CCC Allianz WERA zurückgreifen 

Prof. Dr. Marianne Pavel, die ebenfalls Mitglied des NCT WERA Direktoriums und am Uniklinikum Erlangen den Schwerpunkt Endokrinologie leitet, betont die hervorragende Vernetzung der WERA-Allianz. „Die über die letzten Jahre etablierten Strukturen des CCC WERA tragen wesentlich dazu bei, die gemeinsamen Ziele von NCT und CCC zu verwirklichen.“ Denn die von der Deutschen Krebshilfe als „Onkologisches Spitzenzentrum“ ausgezeichnete „Comprehensive Cancer Center Allianz WERA“ hat sich bereits 2019 zusammengeschlossen. Schon vor der Aufnahme ins NCT wurden in der CCC Allianz WERA jedes Jahr mehr als 10.000 Patientinnen und Patienten mit allen Arten von Tumorerkrankungen neu in gemeinsame klinische Studien eingebunden. 

Prof. Dr. Ralf Bargou, Direktor des Comprehensive Cancer Center (CCC Mainfranken), Sprecher des CCC WERA und Mitglied des Direktoriums NCT WERA resümiert: „Für die gemeinsame Arbeit in der WERA-Allianz ist die Unterzeichnung der Bund-Länder-Verwaltungsvereinbarung zur NCT-Erweiterung ein weiterer wichtiger Meilenstein. Und es ist auch eine Anerkennung für die langjährige Aufbauarbeit, die hinter diesen gemeinsamen Strukturen steht. Die kommenden Projekte werden nun nochmals weiteren Anschub geben, um die Versorgung von Menschen mit Tumorerkrankungen in der WERA-Region zu verbessern. Genau das ist das Ziel der universitären Forschung und das kennzeichnet unsere gemeinsame Arbeit.“

Hier geht es zur Pressemitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) zur Unterzeichnung der Bund-Länder-Verwaltungsvereinbarung.

 

Ausführliche Statements von den WERA-Standorten:

Prof. Dr. Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II am Universitätsklinikum Würzburg:
„Mit der Einrichtung des NCT wird eine neue Ära für die translationale Krebsforschung am Wissenschaftsstandort Deutschland eingeläutet. Mit dem NCT WERA wird gerade im Nordbayerischen Raum mit seiner großen eher ländlichen Bevölkerung die Möglichkeit geschaffen, neueste Verfahren in der Diagnostik und Therapie von Krebserkrankung auch in der Fläche anzubieten. Für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellt das NCT eine großartige Möglichkeit dar, die Erkenntnisse aus den Grundlagenwissenschaften und aus der präklinischen Forschung in die Klinik transferieren zu können. Die Nachwuchsforschung wird mit vielen neuen Positionen für forschungsorientierte Kolleginnen und Kollegen und neuen Karriereoptionen deutlich ausgebaut. Schließlich wird das NCT ‚protected time‘ ermöglichen, um Studienideen oder Forschungsvorhaben von jungen Ärztinnen und Ärzten in die Klinik zu bringen.

Prof. Dr. Marianne Pavel, Leiterin des Schwerpunktes Endokrinologie am Uniklinikum Erlangen: „Durch das erweiterte NCT können nun neue Therapieansätze zur Bekämpfung von Krebserkrankungen rascher und effektiver in die klinische Anwendung gebracht werden, dies auch dank der hohen Expertise im NCT Verbund. Die neuen deutschlandweiten Strukturen und Maßnahmen ermöglichen es, diese Expertise zu bündeln, und innovative klinische Forschung erstmalig in relevanten Ausmaß in Deutschland umzusetzen. Dabei können wir dankenswerterweise auf eine hervorragende Vernetzung in der CCC Allianz WERA zurückgreifen. Die über die letzten Jahre etablierten Strukturen des CCC WERA tragen wesentlich dazu bei, die gemeinsamen Ziele von NCT und CCC zu verwirklichen.

Dr. Wolfgang Herr, Direktor der Klinik für Innere Medizin III am Uniklinikum Regensburg: „Durch die NCT-Förderung erhalten alle Krebspatientinnen und -patienten, auch jene aus vorwiegend ländlichen Gebieten, an den WERA-Standorten den bestmöglichen Zugang zu modernsten onkologischen Diagnostik- und Therapieverfahren sowie zu innovativen klinischen Studien. Wir sind sehr glücklich und auch etwas stolz, dass wir nun Teil des erweiterten NCT sind.

Prof. Dr. Nina Ditsch, Leiterin des Brustzentrums am Universitätsklinikum Augsburg: „Als WERA-Verbund mit den Standorten Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg aktiver Teil des NCT zu sein, ermöglicht erstmalig die gezielte Förderung gemeinsam entwickelter translationaler Projekte mit Fokus auf Investigator initiierten Studien, also von der universitären Wissenschaft initiierte Studien ohne kommerzielles Interesse. Durch die Schaffung spezieller Vernetzungsstrukturen im Bereich von Forschung und Klinik wird der Grundstein für eine speziell auf den wissenschaftlichen Nachwuchs ausgerichtete Förderung zum Thema Krebs gelegt. Die enge Vernetzung mit Patientenvertretern verschiedenster Tumorentitäten soll insbesondere die frühe Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und damit das Verständnis für eine patientenorientierte Forschung fördern.“
 

Gruppenbild des NCT WERA Direktoriums, Klaus Holetschek und Ursula Weyrich
Im Juni 2023 fand die feierliche Auftaktveranstaltung für das NCT WERA in Würzburg statt, v.l.n.r.: Ursula Weyrich, Kaufmännische Vorständin des Deutschen Krebsforschungszentrums, Prof. Dr. Wolfgang Herr (Regensburg), Prof. Dr. Marianne Pavel (Erlangen), Prof. Dr. Hermann Einsele (Würzburg), der damalige Bayrische Gesundheitsminister Klaus Holetschek und Prof. Dr. Nina Ditsch (Augsburg). © A. Wolf / UKW

Preis für nachhaltiges Handeln für Eva-Maria Schwienhorst-Stich

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit: Damit beschäftigt sich die Arbeitsgruppe „Klima und Planetare Gesundheit“ der Würzburger Universitätsmedizin. Ihre Leiterin wurde jetzt ausgezeichnet.

Eva-Maria Schwienhorst-Stich während des Festkonzerts in der Neubaukirche.
Eva-Maria Schwienhorst-Stich bei ihrer Dankesrede während des Festkonzerts der Universitätsbundes Würzburg in der Neubaukirche. (Foto: Heiko Becker)
Eva-Maria Schwienhorst-Stich mit dem Dekan der Medizinischen Fakultät, Matthias Frosch (l.), und dem Preisstifter, Ferdinand Fürst zu Castell-Castell.
Eva-Maria Schwienhorst-Stich mit dem Dekan der Medizinischen Fakultät, Matthias Frosch (l.), und dem Preisstifter, Ferdinand Fürst zu Castell-Castell. (Foto: Heiko Becker)

Keine Frage: Der Klimawandel und die damit einhergehenden Umweltveränderungen werden deutliche Folgen für die menschliche Gesundheit haben. So berechnet eine vor wenigen Tagen in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlichte Studie einen Anstieg der Zahl der globalen Hitzetoten bis zur Mitte des Jahrhunderts um 370 Prozent – und das auch nur für den Fall, dass der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur bei knapp unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit gehalten werden kann.

Die Ausbreitung von Infektionskrankheiten, eine steigende Gefahr von Hitzewellen, Waldbränden, die zunehmende Luftverschmutzung und damit einhergehend ein erhöhtes Risiko von Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenkrebs, Diabetes, neurologischen Störungen und ungünstigen Schwangerschaftsausgängen sind weitere Folgen der Klimaerwärmung.

Preisverleihung in der Neubaukirche

Die Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Gesundheit stehen im Fokus der Arbeitsgruppe „Klima und Planetare Gesundheit“ am Institut für Allgemeinmedizin der Würzburger Universitätsmedizin. Jetzt wurde deren Leiterin, die Medizinerin Dr. Eva-Maria Schwienhorst-Stich ausgezeichnet: Im Rahmen des Festkonzerts der Universitätsbundes Würzburg in der Neubaukirche erhielt sie den „Albrecht Fürst zu Castell-Castell-Preis“ – einen mit 3.000 Euro dotierten Preis für nachhaltiges Handeln an der Universität Würzburg.

„Mit großem Engagement und oft mit ehrenamtlichem unbezahltem Einsatz arbeiten wir in mehreren Projekten darauf hin, dass die neuen Evidenzen zu den Zusammenhängen zwischen Klimakrise, Umwelt und Gesundheit von allen verstanden werden und die vielfachen Handlungsoptionen umgesetzt werden können“: Mit diesen Worten beschrieb Eva-Maria Schwienhorst-Stich in ihrer Dankesrede die wesentlichen Ziele der Arbeitsgruppe. Dafür hat das Team mittlerweile ein umfangreiches Programm auf die Beine gestellt.

Angebote für Studierende – nicht nur der Medizin

Je ein Wahlpflichtfach „Globale Gesundheit“ und „Planetare Gesundheit“ ist eines dieser Angebote. Die Kurse sind über das uniweite Programm GSiK – Globale Systeme und interkulturelle Kompetenz allen Studierenden aller Fakultäten zugänglich. Diese können durch den regelmäßigen Besuch der Veranstaltungen das Zertifikat „Nachhaltigkeit und Globale Verantwortung“ erwerben.

Ein weiteres Angebot der Arbeitsgruppe richtet sich an Medizinstudierende: das sechssemestrige freiwillige Schwerpunktcurriculum „Global Health and Care“. Das Lehrangebot im Bereich „Globale Gesundheit und Interkulturalität“ verbindet bereits existierende, teils international ausgerichtete Studienangebote aus dem Bereich Humanmedizin sowie aus dem GSiK-Projekt mit Online-Kursen und bettet diese in einen ganzheitlichen, an konkreten Lernzielen orientierten Rahmen ein.

In dem Projekt „Longitudinales Curriculum Planetare Gesundheit“ arbeiten Schwienhorst-Stich und ihr Team daran, an der Universität Würzburg in einem koordinierten Prozess diese neuen Evidenzen in alle Fächer des Medizinstudiums zu integrieren. Die Würzburger Medizinische Fakultät ist damit Vorreiter in Deutschland. Im Jahr 2023 wurde das Projekt als “Innovatives Projekt in der Lehre” der Universität Würzburg gefördert. Darüber hinaus war die Arbeitsgruppe daran beteiligt, einen bayernweiten Online-Kurs „Planetary Health“ für die Virtuelle Hochschule Bayern zu erstellen.

Austausch mit Einrichtungen in Afrika

Bildung, Forschung und die akademische Zusammenarbeit sowie den wissenschaftlichen Austausch im Bereich  Planetary Health für Afrika zu stärken: Das ist das Ziel des SOPHEA-Projekts. Die Abkürzung steht dementsprechend für Strengthening One and Planetary Health in Eastern Africa.

Das vom Deutschen Akademischen Austauschdienst DAAD geförderte Projekt bündelt internationale Expertise der Würzburger Universitätsmedizin sowie von Partnereinrichtungen in Mwanza, Tansania, und in Kenia. Die Beteiligten konzentrieren sich auf vier thematische Schwerpunkte: Ernährung, Infektionskrankheiten, Nicht-übertragbare Erkrankungen und Kindergesundheit – alles vor dem Hintergrund von Klima- und Umweltfaktoren.

Eine frei zugängliche Bildungsplattform und jährlich stattfindende Kurse, wie beispielsweise eine Summer School in Würzburg sowie digitale Kurzkurse in Ostafrika, gehören zum SOPHEA-Angebot, wie auch halbjährliche Konferenzen und gemeindebasierte studentische Forschungsprojekte.

Angebote für Hausarztpraxen

Und zu guter Letzt hat die Arbeitsgruppe einen Leitfaden für klimasensible Gesundheitsberatung für Hausärztinnen und Hausärzte entwickelt, der demnächst erscheint soll und sich an alle Hausarztpraxen im deutschsprachigen Raum richtet.

Weblinks

Arbeitsgruppe Klima und Planetare Gesundheit  https://www.med.uni-wuerzburg.de/planetaregesundheit/  (245839)

Longitudinales Curriculum Planetare Gesundheit https://www.uni-wuerzburg.de/lehre/lehre-innovativ/fonds-fuer-innovative-projekte-in-der-lehre/ (207323)

SOPHEA-Projekt https://www.med.uni-wuerzburg.de/planetaregesundheit/sophea-project/ (250685)

Online-Kurs „Planetary Health“ an der vhb https://open.vhb.org/blocks/ildmetaselect/detailpage.php?id=295

Kontakt

Dr. Eva-Maria Schwienhorst-Stich, Schwienhor_E@ ukw.de

Der Preis für nachhaltiges Handeln

Unter dem Titel „Verantwortung für Übermorgen“ hat die Fürstlich Castell’sche Bank einen Preis für nachhaltiges Handeln an der Universität Würzburg gestiftet. Der unter dem Dach des Universitätsbundes eingerichtete „Albrecht Fürst zu Castell-Castell-Preis“ ist mit 3.000 Euro dotiert und wurde 2017 erstmals verliehen. Der Preis richtet sich an WissenschaftlerInnen und DozentInnen ebenso wie an Studierende und an Verwaltungs- sowie technische MitarbeiterInnen der Universität.

Der Namensgeber der Auszeichnung, Albrecht Fürst zu Castell-Castell, verstarb im Mai 2016. Er stand 27 Jahre als Vorsitzender an der Spitze des Universitätsbundes Würzburg, der Fördergesellschaft der Universität. Zuletzt war er ihr Ehrenvorsitzender. 1984 wurde Fürst Albrecht zum Ehrensenator der Universität ernannt.

Ausgezeichnet werden konkrete Projekte, Initiativen oder Verfahren in Forschung, Lehre, Technik oder Verwaltung, die den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen innerhalb der Universität verbessern. Diese Ressourcen beinhalten neben den klassischen Rohstoffen auch Wissen und Personaleinsatz. Darüber hinaus werden globale Maßnahmen zur Zukunftssicherung aufgrund ökologischer oder sozialer Veränderungen gefördert.

Faszinierende Verbindung zwischen Immunsystem und Blutgerinnung

Im neuen DFG-Projekt untersucht die Transfusionsmedizin am UKW unter der Leitung von Prof. Dr. Jürgen Kößler, wie sich unterschiedliche Herstellungs- und Lagerungsverfahren der Thrombozytenkonzentrate auf die Funktionalität der Toll-like-Rezeptoren und auf andere immunologische Eigenschaften der Thrombozyten auswirken.

 

Gruppenbild von der AG von Jürgen Kößler, Ärztin rechts hält Thrombozytenkonzentrat in den Händen.
Team der Transfusionsmedizin mit Thrombozytenkonzentrat: Prof. Dr. Jürgen Kößler, Komm. Direktor des Instituts für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie, Biochemikerin PD Dr. Anna Kobsar, Medizinische Technologin Katja Weber und Ärztin Julia Zeller-Hahn (v.l.n.r.) © Lydia Bujok / UKW

Würzburg. Thrombozyten - aufgrund ihres Aussehens auch Blutplättchen genannt - spielen nicht nur eine entscheidende Rolle bei der Blutgerinnung, indem sie sich bei Verletzungen an die offene Stelle heften, verklumpen und das Gefäß abdichten, sondern auch bei der Immunantwort. Bisherige Forschungen haben gezeigt, dass Toll-like-Rezeptoren, die normalerweise mit dem Immunsystem in Verbindung gebracht werden, auch auf der Zelloberfläche von Thrombozyten existieren. Werden Krankheitserreger erkannt, aktivieren die Toll-like-Rezeptoren auf den Thrombozyten eine Kaskade von Signalen, die nicht nur die Aktivierung der Thrombozyten fördern, sondern auch die Freisetzung entzündungsfördernder Moleküle steigern.

Toll-like-Rezeptoren auf Thrombozyten sind wichtig für die Abwehr von Infektionen und das Zusammenspiel mit anderen Immunzellen

In einem neuen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit rund 266.000 Euro geförderten Projekt untersucht die Transfusionsmedizin am Uniklinikum Würzburg, wie sich die immunologischen Eigenschaften der Blutplättchen in Thrombozytenkonzentraten verändern. Im Mittelpunkt stehen insbesondere Analysen von Toll-like-Rezeptoren. 

„Unser Ziel ist es, herauszufinden, wie sich unterschiedliche Herstellungs- und Lagerungsverfahren der Thrombozytenkonzentrate auf die Funktionalität der Toll-like-Rezeptoren und auf andere immunologische Eigenschaften der Thrombozyten auswirken.“ berichtet Prof. Dr. Jürgen Kößler, MHBA, Kommissarischer Direktor des Instituts für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie am UKW und Projektleiter. In vorhergehenden Projekten hat der Facharzt für Transfusionsmedizin und für Laboratoriumsmedizin mit seinem Team bereits erarbeitet, welche Funktionen die Toll-like-Rezeptoren in Thrombozyten besitzen, zum Beispiel wie sie Thrombozyten-Leukozyten-Interaktionen auslösen oder Chemokine aus Thrombozyten freisetzen.

Wie verändert sich die Funktion der Thrombozyten nach der Transfusion 

Die Ergebnisse des neuen Projekts sollen dazu dienen, Herstellungsverfahren von Blutprodukten zu optimieren, um einerseits die Zellfunktionalität zu erhalten, andererseits das Risiko für Nebenwirkungen, sogenannte Transfusionsreaktionen, zu verringern. „Die Erkenntnisse sind darüber hinaus die Voraussetzung für geplante klinische Studien, in denen untersucht wird, wie sich die Thrombozytenfunktion im Empfängerorganismus nach der Transfusion von Thrombozytenkonzentraten verändert. Hierzu ist bislang sehr wenig bekannt“, kommentiert Jürgen Kößler.

Das DFG-Projekt mit dem Titel „Einfluss der ex vivo-Lagerung auf Toll-like-Rezeptor-vermittelte Mechanismen in humanen Thrombozyten" hat eine Laufzeit von drei Jahren. Mit der Förderung sollen neben einer Doktorandenstelle Sachmittel finanziert werden. 

Herstellung und Verwendung von Thrombozytenkonzentraten

Thrombozytenkonzentrate werden in verschiedenen medizinischen Bereichen wie Onkologie, Chirurgie, Neonatologie und Intensivmedizin verwendet, um Blutungen bei Patientinnen und Patienten mit niedrigen Thrombozytenzahlen zu behandeln, sei es aufgrund von Krankheiten, Medikamenten oder medizinischen Eingriffen. 
Am Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie werden Thrombozytenkonzentrate durch Aphereseverfahren hergestellt. Dabei wird das Blut bereits während der Spende in einem sogenannten Zellseparator in die Bestandteile aufgetrennt, um gezielt die Thrombozyten zu entziehen. Diese werden in einen speziellen Beutel unter Hinzufügung von Plasma oder Additivlösungen überführt. Die Thrombozytenkonzentrate können schließlich bei leichtem Schütteln, um eine Verklumpung zu verhindern, bis zu vier Tage bei Raumtemperatur gelagert und bei Bedarf für die Patientenversorgung eingesetzt werden.
 

Gruppenbild von der AG von Jürgen Kößler, Ärztin rechts hält Thrombozytenkonzentrat in den Händen.
Team der Transfusionsmedizin mit Thrombozytenkonzentrat: Prof. Dr. Jürgen Kößler, Komm. Direktor des Instituts für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie, Biochemikerin PD Dr. Anna Kobsar, Medizinische Technologin Katja Weber und Ärztin Julia Zeller-Hahn (v.l.n.r.) © Lydia Bujok / UKW

HPV hat viele Gesichter – Wanderausstellung in der Neuen Universität Würzburg am Sanderring

Die Diagnose Krebs ist für alle Betroffenen und deren Umfeld meist ein sehr einschneidendes Erlebnis. Aber gerade bei Tumoren, die durch Humane Papillomviren (HPV) ausgelöst werden, lässt sich das Erkrankungsrisiko durch die vorbeugende HPV-Schutzimpfung sehr effektiv senken. Die Wanderausstellung „HPV hat viele Gesichter“ zeigt vom 6. bis 20. Dezember in Würzburg die Geschichten von HPV-Patientinnen und -Patienten.

Titelbild Flyer HPV Wanderausstellung
Die HPV-Wanderausstellung

Krebsvorsorge selbst in die Hand nehmen

Die schon seit 2006 zugelassene HPV-Impfung ist wirksam, sicher und gut verträglich. Umso schwieriger nachvollziehbar ist es, dass in Deutschland noch immer weniger als die Hälfte der Mädchen im Alter von 9 bis 14 geimpft ist und die Impfquote bei Jungen noch deutlich niedriger ausfällt. Unnötigerweise leiden und sterben derzeit noch zu viele Menschen an den Folgen der meist vermeidbaren HPV-Infektion.

In der Wanderausstellung „HPV hat viele Gesichter“ haben sich drei Frauen und drei Männer bereit erklärt, die ganz persönliche Geschichte ihrer Krebserkrankung zu erzählen und damit auf das Thema HPV-Infektion und auf die Wichtigkeit der Schutzimpfung aufmerksam zu machen.

Es kann jeden von uns treffen

Mit einfühlsamen Fotos nähert sich die Ausstellung den Betroffenen und zeigt, wie die virusbedingten Krebserkrankungen das Leben dieser Menschen sehr unterschiedlich beeinflusst und verändert haben. Die einschneidenden Erfahrungen machen auf berührende Weise deutlich, dass es jeden von uns treffen kann – unabhängig von Alter und Geschlecht.

Die Ausstellung und die Begleitbroschüre zeigen aber nicht nur, dass man sich vor HP-Viren schützen und damit auch das persönliche Risiko für HPV-bedingte Krebserkrankungen senken kann. Sie ist auch ein Aufruf an alle, die Krebsvorbeugung selbst in die Hand zu nehmen.

Zur Ausstellung

Die Wanderausstellung „HPV hat viele Gesichter“ des Deutschen Krebsforschungszentrums, der Deutschen Krebshilfe, der Deutschen Krebsgesellschaft und der preventa Stiftung zeigt an den Standorten des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung (BZKF) die Geschichten von HPV-Patientinnen und -Patienten.

Vom 6. bis 20. Dezember 2023 ist die Ausstellung in Würzburg zu Gast: Die Ausstellung ist im Lichthof der Neuen Universität Würzburg am Sanderring von Montag bis Freitag 7:00 bis 21:30 Uhr zu sehen, der Eintritt ist frei.

Am Samstag, 16. Dezember 2023, wird das Gesundheitsamt Stadt und Landkreis Würzburg als Partner des Comprehensive Cancer Center Mainfranken (CCC MF) mit einem Infostand am Ausstellungsort vertreten sein. Von 9:30 bis 12:00 Uhr informieren im Rahmen der Veranstaltung „Kinder-Uni“ Anne Weißbrich und Brigitte Hein mit einem Infostand zum Thema „Humane Papillomviren – Gesundheitsbildung im Kampf gegen Krebs“.

Weitere Informationen auf der Website des Comprehensive Cancer Center Mainfranken: https://www.med.uni-wuerzburg.de/ccc/veranstaltungen/

Kontakt: Annette Popp, Comprehensive Cancer Center Mainfranken (CCC MF), Tel. +49 931 201-35864, Email: popp_a3@ ukw.de

Titelbild Flyer HPV Wanderausstellung
Die HPV-Wanderausstellung

Vereint gegen Antibiotika-Resistenzen

AMS-MAN: Mainfränkisches Antimicrobial Stewardship Netzwerk wächst weiter

 

Die Antimicrobial Stewardship (AMS) am Uniklinikum Würzburg (UKW) setzt sich für einen indikationsgerechten und verantwortungsvollen Einsatz von Antiinfektiva/Antibiotika ein, um Kollateralschäden wie Resistenzentwicklungen oder Arzneimittelinduzierte Nebenwirkungen zu reduzieren. Ihre Expertise teilt sie im regionalen Netzwerk AMS-MAN, dem mit den Haßberg-Kliniken gerade der fünfte Kooperationspartner beigetreten ist.

 

Eine Pflegekraft hält ein Smartphone mit der Antiinfektiva-App in der Hand.
In einer Antiinvektiva-App wurden neu entwickelte Standards zusammengefasst. Sie ist quasi die Antibiotika-Fibel und steht allen stationären und ambulanten Bereichen am UKW, aber auch den Partnern im Netzwerk für eine verbesserte Anwendung des Antibiotika-Einsatzes zur Verfügung. © Karina Färber / UKW

Würzburg. Die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization, WHO) erklärte im Jahr 2019 die antimikrobielle Resistenzen (AMR) zu einer der zehn größten globalen Bedrohungen für die Gesundheit. Wenn Bakterien, Viren, Parasiten, und Pilze zunehmend resistent gegen Antibiotika, Virostatika und anderen entsprechenden antimikrobiellen Wirkstoffen werden, lassen sich Infektionen immer schlechter oder gar nicht mehr behandeln. Im Zuge von nationalen und internationalen Aktionsplänen hat die Bundesregierung im Jahr 2015 mit der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie (DART 2020) Maßnahmen gebündelt. Unter anderem wurde auch das Infektionsschutzgesetz §23 entsprechend modifiziert. Zeitgleich startete Dr. Güzin Surat am Universitätsklinikum Würzburg (UKW), um als Infektiologin und AMS-Expertin aus der Stabsstellenzugehörigkeit der Krankenhaushygiene AMS am UKW zu etablieren. Mit Erfolg!

Fünfte Klinik im regionalen AMS-Netzwerk aufgenommen

Das UKW zeichnet sich seit einigen Jahren durch einen besonders niedrigen Verbrauch an Antibiotika aus und steht im Vergleich mit anderen deutschen Uniklinika an der Spitze (siehe weiter unten Informationen zum ADKA-if-DGI-Projekt). Neben regelmäßigen Antibiotika-Visiten am UKW, Fortbildungen und Schulungen hat Güzin Surat gemeinsam mit der Zentraleinheit für Massenspektrometrie (ZKMS) am UKW das Therapeutic Drug Monitoring (TDM) auf β-Laktam-Antibiotika* ausgeweitet, mit dem Servicezentrum Medizin-Informatik (SMI) eine Antiinfektiva-App eingeführt, sowie parallel ein regionales Netzwerk mit anderen Kliniken in Mainfranken aufgebaut. Nach der Klinik Kitzinger Land, der Main-Klinik Ochsenfurt, dem Krankenhaus St. Josef in Schweinfurt und dem König-Ludwig-Haus in Würzburg sind die Haßberg-Kliniken in Haßfurt der fünfte Kooperationspartner im AMS-MAN Netzwerk. 

Dr. Manfred Knof, Chefarzt Anästhesie und Intensivmedizin der Main-Klinik Ochsenfurt, erklärt die Vorteile von AMS-MAN für die kooperierenden Klinika: „Der Gesetzgeber fordert von uns Ärztinnen und Ärzten einen rationalen und verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika. Durch das vom Uniklinikum Würzburg angebotene Netzwerk haben wir beste Expertise und Beratungen bei unseren Visiten, die durch Dr. Surat mitangeboten werden. Wichtig ist für uns vor allem, dass wir im Rahmen der Antiinfektiva-Surveillance die Erreger- und Resistenzprofile besprechen können. Damit haben wir den goldwerten Vorteil vom UKW auch bei uns in Ochsenfurt.“ 

Antibiotika-Visiten für eine Verbesserung der Verschreibungsqualität

Da die Kliniken einer Region durch Verlegungen in einem ständigen Austausch von Patientinnen und Patienten stehen, ist es umso wichtiger über eine Harmonisierung von Antiinfektiva-Standards einen konformen Wissens-und Ausbildungsstand in der Prophylaxe und Therapie von Infektionen zu garantieren, um so auch sekundär eine verbesserte regionale Resistenzkontrolle zu bewirken. Güzin Surat und ihr Stellvertreter, Dr. Axel Gehrmann, besuchen in ein- bis zweiwöchigem Rhythmus ihre Kolleginnen und Kollegen in den kooperierenden Krankenhäusern. Dort führen sie gemeinsam Antibiotika-Visiten durch und analysieren die Verordnungspraxis. „Wir besprechen jede Patientin und jeden Patienten, die mit Antiinfektiva behandelt werden“, betont Güzin Surat. „Wir klären gemeinsam die Indikation, setzen die vorhandenen mikrobiologischen Befunde in Vergleich zum Krankheitsgeschehen und empfehlen dabei, die für die Patientinnen und Patienten bestmögliche Substanz auszuwählen. Dabei besprechen wir auch die Dosierung und die Form der Darreichung. Die Deeskalation ist ein weiteres Prinzip der Verordnungsanalysen, indem wir zum Beispiel von einem Breitband-Antibiotikum mit breitem Erregerspektrum, auf ein Schmalspektrum-Antibiotikum gehen, mit dem wir gezielt nachgewiesene Erreger angreifen.“

Antiinfektiva-App für eine verbesserte Anwendung des Antibiotika-Einsatzes

In den vergangenen Jahren konnte die Arbeitsgruppe AMS - bestehend aus Apotheke, Hygiene, Mikrobiologie, Infektiologie der medizinischen Klinik und pädiatrische Infektiologie - mehr als 20 klinische Standards implementieren, die sich an den aktuellen Leitlinien orientieren und das spezifische lokale Erreger- und Resistenzprofil berücksichtigen. Zu den Standards zählt zum Beispiel eine detaillierte Dosistabelle für die von der Klinikapotheke regulär vorgehaltenen Antiinfektiva. „Diese und weitere Standards haben wir in der Antiinvektiva-App zusammengefasst. Sie ist quasi unsere Antibiotika-Fibel, die wir allen stationären und ambulanten Bereichen am UKW, aber auch unseren Partnern im Netzwerk für eine verbesserte Anwendung des Antibiotika-Einsatzes zur Verfügung stellen“, sagt Axel Gehrmann. 

Patientenindividuelle Dosierung mit Therapeutic Drug Monitoring 

Ein weiterer Baustein im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen ist das TDM für patientenindividuelle Dosierung. „Medikamente werden von Frauen, Männern, Kindern, übergewichtigen und vorerkrankten Personen sehr unterschiedlich verstoffwechselt“, weiß Güzin Surat, die sich gerade zum Thema AMS habilitiert. „Um die Dosierung präzise anzupassen, messen wir die Konzentrationen der Wirkstoffe im Blut der Patientinnen und Patienten.“ 

Ein weiteres Ziel der Infektiologin sind einheitliche regionale Resistogramme, die darüber informieren, wie empfindlich welche bakteriellen Krankheitserreger gegen bestimmte Antibiotika sind. „Dazu müssen wir eng mit den mikrobiologischen Laboren zusammenarbeiten“, so Surat. „AMS bedeutet auch Diagnostic Stewardship, also die optimierte Anwendung von diagnostischen Mitteln.“ 

Signifikante Senkung des Antibiotikaverbrauchs hat keinen negativen Einfluss auf das Behandlungsergebnis

Mit ihren multimodalen Maßnahmen konnte am UKW der Gesamtverbrauch an Antibiotika am UKW signifikant gesenkt werden. So ging zum Beispiel der Verbrauch von Cephalosporinen der dritten Generation, einem Breitband-Antibiotikum mit ungünstigem Resistenzmechanismus, deutlich zurück. Auch der Verbrauch an Reserveantibiotika konnte reduziert werden. „Denn ein Reserveantibiotikum soll auch eine Reserve bleiben und nicht zum Standard werden, da jeder Einsatz von Antibiotika die Bildung von Resistenzen fördert“, kommentiert Güzin Surat. „Die Überprüfung unserer Maßnahmen hat zudem gezeigt, dass die Senkung des Antibiotikaverbrauches keinen negativen Einfluss auf das Behandlungsergebnis geführt hat.“

* β-Lactam-Antibiotika gehen auf das Penicillin zurück und haben in ihrer Strukturformel einen viergliedrigen Beta-Laktam-Ring, wodurch sie die Synthese der bakteriellen Zellwand stören. 

#WomenInScience

Ein Porträt über Dr. Güzin Surat, ihren unkonventionellen Lebenslauf und ihr „kleines Unternehmen“, das sie leitet, steht in der UKW-Serie #WomenInScience – Forschende Frauen am UKW. 

Das Netzwerk AMS-MAN wird auch in einem Film vorgestellt. 

Über das ADKA-if-DGI-Projekt

Im ADKA-if-DGI-Projekt erheben die Abteilung Infektiologie des Universitätsklinikums Freiburg und der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker seit dem Jahr 2007 die Antiinfektiva-Verbrauchsdaten von mehr als 100 deutschen Krankenhäusern. Dargestellt wird der Verbrauch quartalsweise in Form von Anwendungsdichten, stratifiziert nach Fachabteilungen sowie Normal- und Intensivstationen. Dies ermöglicht den für die Qualitätssicherung essentiellen Benchmark. Die erforderlichen Daten des UKW werden -regelmäßig von der Klinikapotheke bereitgestellt. Seit dem Jahr 2018 weist das ADKA-if-DGI-Projekt Uniklinika als eigene Teilnehmer-Kategorie aus.

Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie DART

Das Bundesministerium für Gesundheit hat 2015 gemeinsam mit den Bundesministerien für Ernährung und Landwirtschaft sowie Bildung und Forschung die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie „DART2020“ erarbeitet. Sie wurde im Mai 2015 vom Bundeskabinett verabschiedet. Die erzielten Ergebnisse sollen mit der im April 2023 verabschiedeten Resistenzstrategie „DART2030“ weiter vertieft werden. Die zu erreichenden Ziele und Maßnahmen bei der Bekämpfung von Antibiotika-Resistenzen auf nationaler Ebene und in der internationalen Zusammenarbeit werden in sechs Handlungsfeldern dargestellt: 1. Prävention, 2. Surveillance und Monitoring, 3. Sachgerechter Antibiotikaeinsatz inklusive Labordiagnostik, 4. Kommunikation und Kooperation, 5. Europäische und internationale Zusammenarbeit, 6. Forschung und Entwicklung. 
 

Eine Pflegekraft hält ein Smartphone mit der Antiinfektiva-App in der Hand.
In einer Antiinvektiva-App wurden neu entwickelte Standards zusammengefasst. Sie ist quasi die Antibiotika-Fibel und steht allen stationären und ambulanten Bereichen am UKW, aber auch den Partnern im Netzwerk für eine verbesserte Anwendung des Antibiotika-Einsatzes zur Verfügung. © Karina Färber / UKW