Aktuelle Pressemitteilungen

Brust raus! Behandlungsmöglichkeiten bei Trichterbrust

Eine Trichterbrust passt nicht zum derzeitigen gesellschaftlichen Diktat eines möglichst perfekten Körpers. Welche Therapieoptionen es für diese häufigste angeborene Brustkorbdeformität des Kindes- und Jugendalters gibt, schildert Prof. Dr. Thomas Meyer, der Leiter der Abteilung für Kinderchirurgie – Kinderurologie und Kindertraumatologie der Chirurgischen Klinik I am Uniklinikum Würzburg.

Prof. Meyer, was sind die Kennzeichen einer Trichterbrust und wie viele Kinder und Jugendliche sind davon betroffen?

Thomas Meyer: Bei der Trichterbrust – fachsprachlich Pectus excavatum – ist der vordere Brustkorb durch eine trichterförmige Eindellung des Brustbeins verformt. Ursache ist eine Wachstumsstörung der Knorpelverbindungen zwischen Brustbein und Rippen. Eines von 400 Kindern ist von der angeborenen Störung betroffen, Jungen dreimal häufiger als Mädchen.

Welche Gründe sprechen für eine Therapie der Fehlbildung?

Thomas Meyer: Sehr selten kann es zu Beeinträchtigungen der Herz- oder Lungenfunktion kommen. Im Vordergrund stehen jedoch psychische Aspekte. Viele Betroffene entwickeln mit Einsetzten der Pubertät eine intensive Körperwahrnehmung und empfinden die bis dahin kaum beachtete Trichterbrust als Makel. Die Auswirkungen auf das Selbstbewusstsein können so stark sein, dass die Jugendlichen in allen Situationen vermeiden, den Oberkörper zu zeigen – zum Beispiel beim Sport oder Baden. Sie reduzieren soziale Kontakte, bei denen sie keine kaschierende Kleidung tragen können, auf ein Minimum. 

Welche Behandlungsangebote können Sie den jungen Patientinnen und Patienten machen?

Thomas Meyer: Nach einer ausführlichen Anamnese und Diagnostik bietet die Abteilung für Kinderchirurgie, Kinderurologie und Kindertraumatologie der Würzburger Chirurgischen Universitätsklinik seit über zehn Jahren sowohl die konservative Therapie mittels einer Saugglocke, als auch das minimal-invasive Verfahren nach Nuss an. Beim nicht-operativen Vorgehen setzen die Betroffenen etwa drei Mal täglich und für jeweils bis zu drei Stunden eine Saugglocke aus orthopädischem Silikon auf der Brust auf und erzeugen mit einem Saugballs ein Unterdruck, der den Brustkorb anhebt. Das Verfahren kann mit dem Tragen einer Zahnspange verglichen werden – es modelliert den Brustkorb vergleichsweise langsam innerhalb von etwa 18 Monaten. Die Methode ist vor allem bei milden und mittelgradigen Formen der Trichterbrust geeignet. Wir therapieren jährlich etwa 20 Patientinnen und Patienten auf diese Weise.

Wie sieht die operative Alternative aus?

Thomas Meyer: Bei einer massiver ausgeprägten Trichterbrust oder dem Wunsch nach einer schnellen Korrektur ist die minimal-invasive MIRPE- oder auch Nuss-OP das heute gängige Verfahren. Am Uniklinikum Würzburg führen wir diese seit über zehn Jahren erfolgreich durch. Dabei wird unter Allgemeinnarkose und unter thorakoskopischer Kontrolle über einen kleinen Schnitt an der seitlichen Brustwand ein individueller Bügel aus Titan eingebracht. Dieser wird zwischen Herz und Lunge einerseits sowie den Rippen und dem Brustbein andererseits von einer zur anderen Seite durchgeschoben. Der Bügel hebt das Brustbein von innen an und bringt es in Normalstellung. Nach drei Jahren wird der Bügel wieder entfernt.

Welche Risiken bestehen bei diesem Eingriff? Wie sieht es mit Schmerzen und Narben aus?

Thomas Meyer: Dank der minimal-invasiven Technik sind keine großen Schnitte mit auffälligen Narben notwendig. Dies ist nicht nur aus kosmetischer Sicht vorteilhaft, sondern auch im Hinblick auf die postoperativen Schmerzen. Dennoch kann vor allem anfangs eine Schmerztherapie erforderlich sein, da das Brustbein zurück in seine ursprüngliche Lage strebt, woran es der Bügel hindert. Außerdem ist der Brustkorb durch die Atembewegung kontinuierlich in Bewegung, so dass zu Beginn der Bügel gegen die Knochenhaut des Brustbeins reibt. Die Schmerzen nehmen allerdings meist innerhalb von Tagen bis Wochen kontinuierlich ab.

Wie sind die Erfolgsaussichten?

Thomas Meyer: Mit beiden Verfahren können kosmetisch sehr gute Ergebnisse erzielt werden. Entscheidend dabei ist, dass sich die Jugendlichen nicht mehr aufgrund der Thoraxdeformität verstecken oder einschränken müssen und somit ein physisch und psychisch uneingeschränktes Leben führen können. 

Abschließend: Gibt es eine Altersobergrenze, bei der die Verfahren eingesetzt werden können?

Thomas Meyer: Beide Verfahren können aus unserer Sicht sowohl bei Jugendlichen als auch „jungen“ Erwachsenen mit sehr guten Erfolgsaussichten angewendet werden. Auch für den „älteren“ Erwachsenen finden sich in der Literatur Fallbeschreibungen, bei denen beide hier aufgeführte Methoden – zum Teil modifiziert – Anwendung finden. Letztendlich bleibt es aber immer eine individuelle Entscheidung, wann und mit welchem Verfahren die Thoraxwand-Deformität therapiert wird.

Uniklinikum Würzburg: Schmerzpatientinnen und -patienten für das Projekt PAIN2.0 gesucht

Das Zentrum für interdisziplinäre Schmerzmedizin des Uniklinikums Würzburg sucht für das bundesweite Forschungsprojekt PAIN2.0 Menschen mit wiederkehrenden Schmerzen. Ein neues, ambulantes Therapieprogramm soll ihnen helfen, ihren Alltag weiterhin gut zu bewältigen.

Würzburg. Das Projekt PAIN 2.0 ist eine Initiative der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. und der gesetzlichen Krankenkasse BARMER. Die wissenschaftliche Studie zielt darauf ab, die Versorgungsqualität von Menschen mit wiederkehrenden Schmerzen zu verbessern und eine Chronifizierung der Schmerzen zu verhindern. 

Zu den beteiligten, bundesweit 22 Forschungseinrichtungen zählt das Zentrum für interdisziplinäre Schmerzmedizin (ZIS) des Uniklinikums Würzburg. Das ZIS beteiligt sich auch an der Rekrutierung von Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern.

Für eine Aufnahme in die Studie gelten folgende Bedingungen:

  • Die potenziellen Teilnehmenden müssen mindestens 18 Jahre alt sein.
  • Sie leiden seit mehr als sechs Wochen unter wiederkehrenden Schmerzen.
  • Der Schmerz schränkt ihre Lebensabläufe und ihre Lebensqualität ein.
  • Sie weisen unter Umständen schon erste Anzeichen von Risikofaktoren für eine Schmerzchronifizierung auf – wie negative Stimmung oder ausgeprägte Zukunftssorgen.

Zehnwöchiges Therapieprogramm

In der Studie erwartet sie ein zehnwöchiges, ambulantes Therapieprogramm im ZIS. Dabei erlernen sie in wöchentlich drei bis vier Stunden schmerzreduzierende Strategien und vertiefen ihr Wissen zu Schmerz und Risikofaktoren. Zentraler Aspekt von PAIN 2.0 sind aktive Übungen. 

Die Therapie wird nach aktuellem wissenschaftlichen Kenntnisstand durch ein auf’s Engste kooperierendes Team von Fachleuten aus Medizin, Psychologie und Physiotherapie durchgeführt. Die Teilnahme an der Studie ist kostenlos. 

Weitere Infos und lokaler Kontakt: www.pain2punkt0.de, Zentrum für interdisziplinäre Schmerzmedizin des ZIS, Tel: 0931/201-30300, E-Mail: pain2.0@ ukw.de 

Mehr Studienplätze in der Medizin keine Lösung für künftige Herausforderungen des Gesundheitssystems

Der Medizinische Fakultätentag (MFT) steht Forderungen nach einer Erhöhung der Studienplatzzahlen im Fach Medizin zur Bekämpfung des Ärztemangels in Deutschland kritisch gegenüber. Wichtiger sei eine Reform des Medizinstudiums, das an Veränderungen angepasst werden müsse, um seine hohe Qualität zu bewahren.

„Die derzeitige Diskussion um eine deutliche Erhöhung der Studienplatzzahlen in der Medizin lenkt von den eigentlichen Herausforderungen ab, vor denen das  Gesundheitssystem der Zukunft steht. Im internationalen Vergleich hat Deutschland weder zu wenige Ärzt:innen noch zu wenige Studienplätze. Wir müssen allerdings noch besser darin werden, unsere vielen und gut qualifizierten Mediziner:innen dort einzusetzen, wo wir sie als Gesellschaft wirklich brauchen und wofür sie eigentlich ausgebildet wurden – nämlich in der Versorgung von Patient:innen“, so Professor Matthias Frosch, Präsident des MFT.

Der MFT hält die von Bundesgesundheitsminister Professor Karl Lauterbach und  verschiedenen Interessenverbänden geforderte zusätzliche Aufstockung der Medizinstudierenden derzeit für nicht erforderlich. Um die Gesundheitsversorgung in Deutschland auf hohem Niveau aufrecht zu erhalten, sei eine Reformierung des Medizinstudiums wichtiger. So müssten künftige Ärzt:innen auf eine alternde Gesellschaft, eine digitalisierte und vernetzte Medizin und die Arbeit in multiprofessionellen Teams vorbereitet werden.

„Wir müssen auf Qualität statt Quantität setzen“, so Matthias Frosch. „Allein die anstehende Reform des Medizinstudiums bedeutet erheblichen zusätzlichen personellen und finanziellen Aufwand. Parallel dazu noch ein deutliches Mehr an Medizinstudierenden auszubilden, ist vollkommen unrealistisch. Ist eine ausreichende Finanzierung nicht gegeben, würde das Medizinstudium in Deutschland bei einer unkoordinierten Steigerung der Studierendenzahlen massive Qualitätseinbußen erleiden.“

Wichtig ist laut MFT vielmehr, die bestehenden Kapazitäten des Gesundheitssystems effizienter zu nutzen. Aktuell sind Ärzt:innen in Deutschland fachlich und geografisch ungleich verteilt. Unter-, Über- und Fehlversorgungen sollte durch eine gezielte Steuerung der Ressourcen entgegengewirkt werden. Die von der Regierungskommission vorgeschlagene Reform der Krankhausfinanzierung ist dazu ein wichtiger Schritt, der konsequent und handwerklich gut gemacht umgesetzt werden muss.

Derzeit beginnen in Deutschland jährlich knapp 12.000 Studierende ein Studium der Humanmedizin an einer staatlich anerkannten medizinischen Fakultät. Laut Statistischem Bundesamt kostet ein Studienplatz im Durchschnitt 240.000 Euro (Stand 2019). Aktuell sind im Fachbereich Medizin an deutschen Hochschulen in allen Fachsemestern zusammen insgesamt über 105.000 Studierende eingeschrieben. So viele Medizinstudierende gab es in Deutschland bislang noch nie. Eine Aufstockung um 5.000 neue Studienplätze jährlich würde einem Plus von 40% entsprechen. Seit 2005 ist die Zahl der Anwärter:innen auf den Arztberuf bereits um 30% gestiegen.

 

Der Medizinische Fakultätentag ist der Dachverband der Medizinischen Ausbildungs- und Forschungsstätten Deutschlands. Sie verantworten in über 70 verschiedenen  Studiengängen die Ausbildung von rund 100.000 Studierenden der Human- und Zahnmedizin sowie der Gesundheitswissenschaften. Gemeinsam mit dem Verband der Universitätsklinika (VUD) vertritt der MFT die Deutsche Hochschulmedizin.

 

Kontakt:

MFT Medizinischer Fakultätentag e.V.

Dr. Christiane Weidenfeld
Leiterin der Kommunikation
Alt-Moabit 96, 10559 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 3940517-25
E-Mail: weidenfeld@ mft-online.de 
www.medizinische-fakultaeten.de 

 

Pressemitteilung - Medizinischer Fakultätentag, der Verband der Medizinischen Fakultäten vom 18. Januar 2023

Premiere: „FLEX4UKW“ an der Uniklinik Würzburg lädt ein zum Jobcafé am 15. Februar

„Gepflegt Kaffeetrinken" für Interessierte u.a. aus dem Pflegebereich / Bereits 120 Bewerbungen nach zwei Monaten.

Einladung an alle interessierten Pflegekräfte sowie MFAs oder OTA/ATAs, bei einem kostenlosen Getränk im Café Fred das neue Konzept FLEX4UKW - „Arbeiten wann Du willst - Du entscheidest!" kennenzulernen.

 

Würzburg. Am 15. Februar lädt das Flexteam FLEX4UKW der Uniklinik Würzburg zum ersten Jobcafé „Gepflegt Kaffeetrinken" ein. Zwischen 11:00 Uhr und 15:00 Uhr sind interessierte Pflegefachkräfte, Pflegefachassistenzen, MFAs, OTA/ATAs und Altenpfleger*innen eingeladen, das Team von FLEX4UKW bei einem kostenlosen Getränk im Café Fred, Herzogenstraße 4 in Würzburg, kennenzulernen und Fragen zu stellen. Eine Anmeldung vorab ist nicht notwendig.

Das neue Flexteam FLEX4UKW ist am 15. November 2022 am Uniklinikum Würzburg gestartet und verzeichnet bereits in den ersten acht Wochen über 120 Bewerbungen. Das Konzept: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können im FLEX4UKW ihre Dienstpläne frei gestalten und bestimmen damit individuell und angepasst an ihre Bedürfnisse ihre Arbeitszeit und ihren Arbeitsumfang selbst. Organisiert wird das innovative Ausfallmanagement über ein eigens installiertes Flexbüro, bestehend aus einer Leitung, einer Disponentin und einem Rescuiter.

Das Team des Flexbüros freut sich auf zahlreiche interessierte Besucher und Besucher*innen und anregende Gespräche.

Mehr Informationen: zu FLEX4UKW:

<link flex4ukw>www.ukw.de/flex4ukw/ 

Parodontitis: Online-Vortrag am 15. Februar

Parodontitis zählt zu den häufigsten entzündlichen Erkrankungen in der Bevölkerung.

 Prof. Dr. Yvonne Jockel-Schneider (links) und Oberärztin Dr. Jeanine Heß vom Uniklinikum Würzburg informieren am 15. Februar 2023 in einer Online-Veranstaltung über wissenswerte Aspekte zur Parodontitis.
Prof. Dr. Yvonne Jockel-Schneider (links) und Oberärztin Dr. Jeanine Heß vom Uniklinikum Würzburg informieren am 15. Februar 2023 in einer Online-Veranstaltung über wissenswerte Aspekte zur Parodontitis. Bilder: UKW / Inga Jockel und Klaus Nowarra

Am Mittwoch, den 15. Februar 2023 informieren zwei Expertinnen des Uniklinikums Würzburg in einem Webinar über die Entstehung sowie Vorbeuge- und Therapiemöglichkeiten der Zahnfleischentzündung Parodontitis. Die kostenlose Veranstaltung trägt den Titel „Parodontitis – mehr als ein lokales Problem?“ und ist ein Gemeinschaftsprojekt mit der Mediengruppe Main-Post.

Parodontitis zählt zu den häufigsten entzündlichen Erkrankungen in der Bevölkerung. Aktuelle Daten der 5. Deutschen Mundgesundheitsstudie zeigen, dass bereits jeder zweite jüngere Erwachsene und bei den älteren Senioren etwa 90 Prozent von einer parodontalen Erkrankung betroffen sind. Bleibt die Parodontitis unbehandelt, kommt es zu einem Verlust von zahntragendem Gewebe und letztlich zum Zahnverlust. Dies führt nicht nur zu erheblichen Einschränkungen der Kaufunktion sowie der Ästhetik, sondern kann auch einen Einfluss auf den Zustand der Allgemeingesundheit haben.

Am Mittwoch, den 15. Februar 2023 berichten Prof. Dr. Yvonne Jockel-Schneider und Dr. Jeanine Heß, beide von der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie/Abteilung für Parodontale Medizin des Uniklinikums Würzburg, in einem öffentlichen und kostenlosen Webinar über die Diagnostik, die Behandlung und die möglichen Folgen der komplexen Erkrankung.

Die vom UKW und der Mediengruppe Main-Post gemeinsam organisierte Veranstaltung beginnt um 18:00 Uhr und nutzt die Plattform Zoom. Voraussetzung für die Teilnahme ist eine Internetverbindung sowie ein Smartphone, ein Tablet, ein Laptop oder ein PC. Wichtig – auch für die Übermittlung der Zugangsdaten – ist eine Anmeldung ausschließlich bei der Main-Post unter Tel: 0931/6001 6001 oder unter http://akademie.mainpost.de.

 Prof. Dr. Yvonne Jockel-Schneider (links) und Oberärztin Dr. Jeanine Heß vom Uniklinikum Würzburg informieren am 15. Februar 2023 in einer Online-Veranstaltung über wissenswerte Aspekte zur Parodontitis.
Prof. Dr. Yvonne Jockel-Schneider (links) und Oberärztin Dr. Jeanine Heß vom Uniklinikum Würzburg informieren am 15. Februar 2023 in einer Online-Veranstaltung über wissenswerte Aspekte zur Parodontitis. Bilder: UKW / Inga Jockel und Klaus Nowarra

Weltkrebstag: Würzburger Universitätsmedizin bietet Online-Informationen an

Expertinnen und Experten des Uniklinikums Würzburg referieren zu Brust- und familiärem Krebs, Darmkrebs, Hirntumoren, Kopf-Hals-Tumoren, Lungentumoren, Neuroendokrinen Tumoren, Prostatakrebs und Sarkomen.

Weltkrebstag 2023 - warum Sie dabei sein sollten

Würzburg. Aktuell leben in Deutschland über vier Millionen Menschen mit einer Tumorerkrankung. Nimmt man die jeweiligen Freundes- und Bekanntenkreise dazu, wird deutlich, dass so gut wie jede und jeder eine persönliche Verbindung zum Thema Krebs hat. Vor diesem Hintergrund lädt die Würzburger Universitätsmedizin alle Betroffenen und Interessierten am Samstag, den 4. Februar 2023, zu einem breit angelegten Webinar ein. Die Online-Veranstaltung am Weltkrebstag trägt den Titel „Gemeinsam gegen Krebs im Onkologischen Zentrum Würzburg“. „Wir möchten hiermit möglichst viele interessierte Personen umfassend über Krebserkrankungen und deren Herausforderungen informieren“, sagt Prof. Dr. Ralf Bargou, der Direktor des Comprehensive Cancer Centers Mainfranken und Sprecher des Onkologischen Zentrums Würzburg.

Neues aus Prävention, Diagnostik und Therapie

Hierzu gehören laienverständliche Vorträge zu Prävention, Diagnostik und Behandlung von verschiedenen Krebserkrankungen. Expertinnen und Experten des Uniklinikums Würzburg referieren zu Brust- und familiärem Krebs, Darmkrebs, Hirntumoren, Kopf-Hals-Tumoren, Lungentumoren, Neuroendokrinen Tumoren, Prostatakrebs und Sarkomen. Im Anschluss an die Vorträge haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit zu Fragen und zur Diskussion. „Generell ist der Wissensgewinn an diesem Infotag keine Einbahnstraße“, unterstreicht Prof. Bargou und erläutert: „Krebspatientinnen und -patienten sind Fachleute in eigener Sache und können an unserem Onkologischen Zentrum neue Perspektiven, Fragen und Lösungen in die Krebsbehandlung und in neue Forschungsansätze einbringen. Wir freuen uns darauf, bei der Veranstaltung auch Einblicke in dieses Erfahrungswissen zu bekommen.“

Aspekte rund um das Leben mit Krebs

Besonders deutlich soll dies bei einem Vortrags- und Diskussionsblock werden, der sich gezielt mit Aspekten rund um das Leben mit Krebs beschäftigt. Thematisiert werden hier unterschiedliche Lebensphasen wie zum Beispiel die Perspektiven für krebskranke Kinder und Jugendliche – während der Akuttherapie und bei der Rückkehr ins normale Leben. Weitere Beiträge beschäftigen sich in ähnlicher Weise mit den Herausforderungen für Berufstätige und Menschen in fortgeschrittenem Lebensalter.

Schnupperkurse zeigen Wege zur Selbsthilfe auf

Neben aller Theorie rufen ebenfalls online durchgeführte Schnupperkurse auch direkt zum Mitmachen auf. „Unsere Spezialistinnen werden dabei zeigen, was Betroffene selbst zur Steigerung ihrer Lebensqualität tun können – sei es mit einem Sensomotorik-Training gegen Neuropathien, mit Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen oder mit individuellen Maßnahmen gegen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schlafstörungen und Hitzewallungen“, beschreibt Prof. Bargou.

Das Programm des Infotags geht von 10:00 bis 14:00 Uhr. Details zu den Inhalten und einer Teilnahme finden sich hier: www.med.uni-wuerzburg.de/ccc

Weltkrebstag 2023 - warum Sie dabei sein sollten

Wie lassen sich Risiken nach Herz-OPs minimieren?

In einer groß angelegten Studie hat ein deutsch-kanadisches Netzwerk unter der Leitung von Christian Stoppe vom Uniklinikum Würzburg überprüft, ob die hochdosierte Gabe des Spurenelements Selen die Sterblichkeit und Krankenhausaufenthalte nach komplexen herzchirurgischen Eingriffen verringern kann.

OP-Team bei einem chirurgischen Eingriff
Die Zahl der herzchirurgischen Eingriffe steigt weltweit stetig an. Aufgrund des demografischen Wandels und der zunehmenden Begleiterkrankungen, werden die Herzoperationen jedoch oft komplexer – bei jedem fünften Eingriff kommt es zu Komplikationen. Christian Stoppe vom Uniklinikum Würzburg hat mit einem internationalen Team geprüft, ob Selen die Risiken reduzieren kann. © Daniel Peter / UKW

Wie lassen sich Komplikationen wie zum Beispiel Multiorganversagen nach komplexen Herzoperationen reduzieren? Eine Hoffnung lag bislang im Spurenelement Selen, da es als essentieller Kofaktor vieler anti-entzündlich wirksamer Enzyme die körpereigenen Abwehrmechanismen stärken kann. Mehrere kleinere Studien hatten in den vergangenen Jahren auf signifikante klinische Vorteile einer Selen-Supplementierung bei Patientinnen und -Patienten mit komplexen herzchirurgischen Eingriffen hingewiesen. Doch die multizentrische, randomisierte, doppelt verblindete und placebo-kontrollierte sustainCSX-Studie hat nun gezeigt, dass die intravenöse Gabe hochdosierten Selens vor, während und nach der Operation nicht zu einer signifikanten Verringerung der Mortalität und Morbidität führt. Die Studie wurde jetzt im Journal der American Medical Association JAMA Surgery veröffentlicht.

Bei jedem fünften Eingriff kommt es zu Komplikationen

Initiator und Erstautor der Studie, Prof. Dr. Christian Stoppe von der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Uniklinikum Würzburg erläutert die Hintergründe des Forschungsprojekts: „Die Zahl an Herzoperationen steigt jedes Jahr weltweit weiter an, trotz Zunahme von minimal-invasiven Verfahren in der Kardiologie. Das hat nicht nur demografische Gründe, sondern liegt auch an den verbesserten Operationsmethoden, schonenderen Narkosen und einer verbesserten sich anschließenden intensivmedizinischen Behandlung. Aufgrund des allgemein steigenden Durchschnittsalters der Patientinnen und Patienten und der zunehmenden Begleiterkrankungen, werden die herzchirurgischen Eingriffe jedoch oft komplexer und länger, wodurch die Gefahr für lebensbedrohliche Komplikationen steigt. So entwickeln sich oft postoperative Organdysfunktionen, die umfassende intensivmedizinische Maßnahmen erfordern.“

Antioxidativen Stress mit Gabe vom hochdosiertem Selen reduzieren

In einer vorhergehenden Studie hatten Christian Stoppe und seine internationalen Kollegen bereits herausgefunden, dass Herzoperationen unter Verwendung einer sogenannten Herz-Lungen-Maschine, wenn also bei einer Operation am offenen Herzen das Blut über ein Kanülen- und Schlauchsystem den Körper verlässt, mit Sauerstoff angereichert und wieder zurückgepumpt wird, zu einem Rückgang von antioxidativen Spurenelementen führen. Es entsteht oxidativer Stress, der eine Entzündungsreaktion auslöst, die sich wiederum negativ auf die Funktion der Blutgefäße und Organsysteme auswirkt. „In der Beobachtungsstudie konnten wir niedrige Selenspiegel mit postoperativen Multiorganversagen in Verbindung bringen“, berichtet Christian Stoppe. „In einer nachfolgenden Anwendungsbeobachtung zeigten sich klinische Vorteile einer Selen-Supplementierung bei herzchirurgischen Patienten.“ Das Spurenelement trägt zu entzündungshemmenden und immunstimmulierenden Prozessen im Körper bei.

Um die Selen-Therapie in die Leitlinien aufnehmen zu lassen, fehlte jedoch ein höheres Maß an Evidenz. Daher hat Christian Stoppe gemeinsam mit Prof. Dr. Daren K. Heyland von der Clinical Evaluation Research Unit am kanadischen Kingston General Hospital die qualitativ hochwertige sustainCSX-Studie ins Leben gerufen. An 23 Standorten in Deutschland und Kanada wurden insgesamt 1.394 Herz-Patientinnen und -Patienten, die nach dem EuroSCORE II ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko aufzeigten (> 5 Prozent) oder bei denen mehrere chirurgische Eingriffe geplant waren untersucht. Nach dem Zufallsprinzip erhielt die Hälfte von ihnen 2.000 Mikrogramm Natriumselenit vor der Herz-Operation, gefolgt von 2.000 danach und weitere 1.000 Mikrogramm Natriumselenit täglich auf der Intensivstation für maximal 10 Tage. Die Vergleichsgruppe erhielt ein Placebo.

sustainCSX: Selen-Supplementierung hat keinen Einfluss auf die Sterblichkeit

Ergebnis: Die hochdosierte Selen-Supplementierung konnte die Entwicklung von Organfunktionsstörungen nicht signifikant reduzieren. 4,2 Prozent der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer verstarben innerhalb von 30 Tagen nach der Operation in der Selengruppe, 5 Prozent in der Placebogruppe. „Eine Selen-Supplementierung kann aber möglicherweise die Notwendigkeit zur Wiederaufnahme auf eine Intensivstation verringern“, gibt Christian Stoppe zu Bedenken. „Ebenso bleibt aufgrund des technischen Fortschritts und der stetigen Verbesserungen im Bereich der Herzchirurgie offen, ob sich zukünftige Interventionen nur auf Patienten mit erhöhtem Risikoprofil fokussieren sollen. In der klinischen Praxis wird es immer wichtiger, Strategie zu entwickeln, um Patienten mit erhöhter Komplikationsgefahr frühzeitig zu identifizieren und nur ihnen etwaige Nährstoffe zu verabreichen.“

modifyCSX: Mit früher Gabe von Fischöl Immunsystem stärken

Der Fokus des aktuellen Forschungsvorhabens liegt nun auf einer frühzeitigeren Stärkung des Immunsystems. Ziel ist es so wie früh wie möglich mit einer optimierten Therapie zu beginnen. „Da viele Patienten erst einen Tag vor der Operation stationär aufgenommen werden, müssen wir dieses Fenster maximal nutzen“, erklärt Christian Stoppe. In der neuen modifyCSX Studie will das internationale Team die intravenöse Gabe von Fischöl 12 bis 24 Stunden vor der Operation testen. Ziel dabei ist es, neben der Stärkung des Immunsystems die Entstehung von postoperativen Herzrhythmusstörungen zu reduzieren, welches die postoperative Erholung entsprechender Patientinnen und Patienten signifikant verbessert.

Partner und Förderer

In Deutschland waren neben dem Universitätsklinikum Würzburg die Universitätskliniken Aachen, Berlin, Bonn, Frankfurt, Freiburg, Giessen, Köln, Mainz, München, Münster, Oldenburg und Schleswig-Holstein beteiligt. Finanziell unterstützt wurde die Studie vom Canadian Institute of Health Research und der Lotte & John Hecht Memorial Foundation.

Studie: Christian Stoppe; Bernard McDonald: Patrick Meybohm; Kenneth B. Christopher; Stephen Fremes; Richard Whitlock; Siamak Mohammadi; Dimitri Kalavrouziotis; Gunnar Elke; Rolf Rossaint; Philipp Helmer; Kai Zacharowski; Ulf Günther; Matteo Parotto; Bernd Niemann; Andreas Böning; C. David Mazer; Philip M. Jones; Marion Ferner; Yoan Lamarche; Francois Lamontagne; Oliver J. Liakopoulos; Matthew Cameron; Matthias Müller; Alexander Zarbock; Maria Wittmann; Andreas Goetzenich; Erich Kilger; Lutz Schomburg; Andrew G. Day; Daren K. Heyland; for the SUSTAIN CSX Study Collaborators. Effect of High-Dose Selenium on Postoperative Organ Dysfunction and Mortality in Cardiac Surgery PatientsThe SUSTAIN CSX Randomized Clinical Trial. JAMA Surgery Published online January 11, 2023. doi:10.1001/jamasurg.2022.6855

Vorhergehende Studien:

Stoppe C, Spillner J, Rossaint R, Coburn M, Schälte G, Wildenhues A, Marx G, Rex S. Selenium blood concentrations in patients undergoing elective cardiac surgery and receiving perioperative sodium selenite. Nutrition. 2013 Jan;29(1):158-65. doi: 10.1016/j.nut.2012.05.013. Epub 2012 Sep 23. PMID: 23010420.

Stoppe C, Schälte G, Rossaint R, Coburn M, Graf B, Spillner J, Marx G, Rex S. The intraoperative decrease of selenium is associated with the postoperative development of multiorgan dysfunction in cardiac surgical patients. Crit Care Med. 2011 Aug;39(8):1879-85. doi: 10.1097/CCM.0b013e3182190d48. PMID: 21460705.

OP-Team bei einem chirurgischen Eingriff
Die Zahl der herzchirurgischen Eingriffe steigt weltweit stetig an. Aufgrund des demografischen Wandels und der zunehmenden Begleiterkrankungen, werden die Herzoperationen jedoch oft komplexer – bei jedem fünften Eingriff kommt es zu Komplikationen. Christian Stoppe vom Uniklinikum Würzburg hat mit einem internationalen Team geprüft, ob Selen die Risiken reduzieren kann. © Daniel Peter / UKW